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Träume aus Samt – Ulrike Renk

Cover Träume aus Samt

Aktualisiert am 2. Oktober 2020

Die Seidenstadt-Saga erzählt über das bewegende Schicksal der jüdischen Familie Karl Meyer aus Krefeld. „Träume aus Samt“ bilden den Abschluss dieser Romanbiografie. Mit einem Rezensionsexemplar nahm ich an der Leserunde von LovelyBooks teil.

Die Seidenstadt-Saga

Die Seidenstadt-Saga beschreibt das dramatische Schicksal der jüdischen Familie Meyer aus Krefeld. Der erste Band der Trilogie „Jahre aus Seide“ behandelt die Jahre 1926 bis zur Reichskristallnacht im November 1938. Der zweite Band „Zeit aus Glas“ schließt sich nahtlos an und beschreibt die Ereignisse der Jahre 1938 und 1939. Der dritte Band „Tage des Lichts“ schildert die Jahre 1939 bis 1940. Der vierte Band schließt die Seidenstadt-Saga ab. Er behandelt die Jahre 1940 bis 1945.

Kann ich die Bücher unabhängig voneinander lesen? Zwar werden die wichtigsten Ereignisse in den ersten Kapiteln jedes Buches erläutert, ich empfehle jedoch, die Familiensaga der Reihe nach zu lesen. Nur so wird deutlich, wie die schrecklichen Ereignisse die Familie Meyer geprägt haben und warum sie aus Deutschland fliehen mussten.

Wahrheit und Fiktion

Die Seidenstadt-Saga basiert auf der wahren Geschichte der jüdischen Familie Meyer aus Krefeld, wie Ulrike Renk in ihrem Nachwort zur Entstehung des Buches erläutert. Durch die Fülle an dem zur Verfügung stehenden Material wurden aus der geplanten Trilogie 4 Bände. Im Nachwort erklärt Ulrike Renk, welche Personen und Begebenheiten wahr sind und welche ihrer Fantasie entsprungen sind. Sie führte Gespräche mit Angehörigen, die ihr Tagebücher und Briefe zur Verfügung stellten. 

Zeitlebens war es Ruth wichtig, dass die Geschichte der Juden in Deutschland nicht vergessen wird. Nie wieder sollte so etwas geschehen. 

„Weil ich nie die Wut vergessen will, nie das Gefühl der furchtbaren Ohnmacht und des Ausgeliefertseins.“

„Träume aus Samt“ Seite 358

Die Seidenstadt-Saga kurz zusammengefasst

Ruth Meyer wächst in einer liebevollen jüdischen Familie in der Seidenstadt Krefeld auf und genießt eine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Der Erlass der Judengesetze verändert für Ruth und ihre Familie ihr bisheriges Leben. Die Bemühungen, ins Ausland auszureisen, wurden zunichtegemacht und Ruths Vater wurde verhaftet. Ruth gelingt es, als Erntehelferin nach England zu kommen und von dort ihre Eltern zu sich zu holen. Ihr eigentliches Ziel ist aber Amerika, wo bereits alte Freunde aus Krefeld und ein Teil ihrer Möbel auf sie warten. Die Ausstellung der Ausreisepapiere verzögert sich immer wieder. Durch den Kriegseintritt Englands wird die Ausreise immer dringender.

„Träume aus Samt“ – Ruths Leben in Amerika

August 1940. Endlich ist die Freiheitsstatue in Sicht. Darauf hat Ruth und ihre Familie lange gewartet. Die Flucht aus Europa ist ihnen im letzten Moment gelungen. Was erwartet sie hier? Wie werden sie als deutsche Juden aufgenommen? Gelingt es ihnen, sich ein neues Leben in Amerika aufzubauen? Werden sie je wieder nach Deutschland zurückkehren? 

Die Angst sitzt ihnen noch im Nacken, doch der erste Schritt in ein neues Leben ist getan. Sie haben das Glück, gute Freunde zu haben, die ihnen eine Wohnung in Chicago besorgt haben. Das macht den Start ins Ungewisse leichter. Freunde und die jüdische Gemeinde geben ihnen Halt.

Die Eltern Martha und Karl sind mit den Alltagsangelegenheiten ziemlich überfordert. Sie sprechen schlecht Englisch und gewöhnen sich nur langsam an ihre neue Umgebung und das neue Leben. Karl leidet darunter, dass er der Familie nicht den gewohnten Standard bieten kann. Die gravierenden kulturellen Unterschiede machen den Anfang schwer. Wird er in seinem Beruf als Handelsvertreter überhaupt arbeiten können?

Ruth ist inzwischen 19 Jahre alt. Sie hat keinen Schulabschluss, ihr ist klar, dass sie zuerst Geld verdienen muss. Wenn es ihnen finanziell besser geht, will sie ihren Abschluss nachholen, damit sie studieren kann. Ruth muss wieder einmal zurückstecken und sich um die Familie kümmern. Dabei macht ihr die sehr konservative Haltung ihrer Eltern sehr zu schaffen. Ruth ist hin und her gerissen zwischen ihrem Deutschsein und dem Wunsch, eine junge moderne Amerikanerin zu werden.

„Es gibt immer einen Weg, manchmal braucht man nur etwas länger.“

„Träume aus Samt“ Seite 278

Bei einer Tanzveranstaltung in der jüdischen Gemeinde lernt Ruth den Elektroingenieur Eddie kennen, der hartnäckig um sie wirbt. Mit dem Angriff auf Pearl Harbor hat der Krieg Ruth eingeholt. Als Soldat muss Eddie in den Krieg und die alten Ängste kommen wieder zurück. Ruth hofft, dass alles wieder gut wird und sie ihre Ängste verliert. Sie hat es nicht immer einfach, doch sie lässt sich nicht unterkriegen und kämpft für ihr Glück. Immer wieder beweist sie, was für eine starke Frau sie ist.  

Familie Meyer macht sich große Sorgen um den Rest der Familie, die sie in Deutschland zurücklassen mussten. Sie haben keinerlei Kontakt zu ihnen. Hier ist der Leser im Vorteil, denn die Autorin Ulrike Renk hat ein Kapitel über die Meyers in Krefeld eingeschoben. Es kam noch schlimmer als befürchtet.

Einen runden Abschluss erhält die Seidenstadt-Saga durch den Epilog aus dem Jahr 2019. Anlässlich einer Geburtstagsfeier wird über Ruths Leben gesprochen und der Leser erfährt, wie es Ruth und ihrer Familie in späteren Jahren ergangen ist. 

Wie haben mir „Träume aus Samt“ gefallen?

Die Stärke der Autorin Ulrike Renk liegt in der ruhigen Erzählweise. Ulrike Renk beschreibt überzeugend und lebendig den Neuanfang in einem fremden Land. Detailliert schildert sie, wie sich die Meyers mit den kulturellen Unterschieden auseinandersetzen. Spannend  beschreibt sie Alltagssituationen und sonstige Begebenheiten. Einfühlsam erzählt sie, wie die Töchter erwachsen werden und eigene Pläne entwickeln. In den ausgetragenen Konflikten zwischen Eltern und Kindern findet man sich selbst wieder. Alle Charaktere sind authentisch, lebendig und überzeugend. 

Wie beiläufig werden Erklärungen zum Judentum und Weltgeschehen eingeflochten. 

Ein Namensregister am Anfang des Buches und ein Nachwort zu Fakten und Fiktion ergänzen die Romanbiografie.

Fazit

“Träume aus Samt” bilden einen gelungenen Abschluss der Seidenstadt-Saga. Das dramatische Schicksal der jüdischen Familie Meyer, die aus ihrer Heimatstadt vertrieben wurde, bewegt und berührt, gerade weil die Geschichte auf wahren Tatsachen beruht. Die sehr gut recherchierte Seidenstadt-Saga ist ein mahnendes Zeitzeugnis der jüdischen Geschichte in Deutschland, die sich niemals wiederholen darf. 

„Ruth war eine großartige Frau, mutig und liebevoll – das ist ihre Geschichte.“

„Träume aus Samt“ Umschlaginnenseite

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Aufbau Verlag für die Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst.


Autor

Ulrike Renk, geboren 1967 in Detmold, zog ein paar Jahre später mit Eltern und Bruder nach Dortmund, wo sie auch die Schule besuchte. Studienaufenthalt in den USA, Studium der Anglistik, Literaturwissenschaften und Soziologie an der RWTH Aachen. Ulrike Renk lebt als freie Autorin in Krefeld. Bei Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Die Frau des Seidenwebers“, „Die Heilerin“, „Die Seidenmagd“ sowie die Bestseller „Die Australierin“, „Die australischen Schwestern“ und „Das Versprechen der australischen Schwestern“ erschienen. (amazon) Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de 

Informationen zum Buch

Cover Info Träume aus Samt

Titel: Träume aus Samt
Autor: Ulrike Renk
Genre: Roman
Print-Ausgabe: 576 Seiten
Ausgaben: E-Book, Taschenbuch, Hörbuch
Verlag: Aufbau Taschenbuch (18. August 2020)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746636981
ISBN-13: 978-3746636986

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Kategorie: Rezensionen, Roman

von

Profilbild Kristina

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