Rezensionen, Roman
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Jahre aus Seide – Ulrike Renk

Cover Jahre aus Seide

Mit Spannung habe ich auf die neue Familien-Trilogie von Ulrike Renk gewartet. Anfang Dezember war es dann so weit. Der erste Band „Jahre aus Seide“ ist erschienen. Ich hatte wieder Glück bei der Leserunde auf LovelyBooks mit einem Rezensionsexemplar dabei zu sein.


Handlung des Romans

Ruth Meyer wächst in einer liebevollen jüdischen Familie auf. Sie genießt ihre unbeschwerte Kindheit und Jugend in Krefeld, bis die NSDAP an Bedeutung gewinnt und Hitler Reichskanzler wird. Der Erlass der Judengesetze verändert für Ruth und ihre Familie ihr bisheriges Leben.


Um was geht es in diesem Roman?

Der Roman “Jahre aus Seide” beschreibt das Leben der Familie Meyer in den Jahren 1926 bis 1938.

Ulrike Renk schildert ausführlich Ruths Kindheit in der Seidenstadt Krefeld. Ihr Vater Karl ist selbstständiger Handelsvertreter für Schuhe, mit eigenem Automobil und Chauffeur. Ihre Mutter Martha kümmert sich um die beiden Töchter Ruth und die drei Jahre jüngere Ilse. Wie damals in der oberen Mittelschicht üblich, wird sie von Leni, dem Kindermädchen, einer Köchin und einer Zugehfrau unterstützt. Martha und Karl fühlen sich zuerst als Deutsche und erst dann als Juden.

Religion spielt noch keine große Rolle, aber man spürt die Angst, dass sich das mit den “Braunen” ändern könnte, auch wenn noch kaum jemand ernsthaft daran glaubt. Interessant waren für mich die Beschreibungen der jüdischen Bräuche und Rituale, insbesondere der Vergleich von Weihnachten mit dem jüdischen Lichterfest Chanukka.

Mit der Zunahme des Einflusses der NSDAP werden die Gespräche der Erwachsenen politischer, der eine oder andere denkt über eine Ausreise nach. Die Kinder bekommen langsam zu spüren, dass sich ihr Umfeld und ihre Lebenssituation verändern, die Leichtigkeit und Unbeschwertheit ihres Lebens geht verloren.

“Es wird schon nicht so schlimm werden, die “Braunen” sind eine vorübergehende Erscheinung.” So lautet die allgemeine Grundstimmung, bis sich die Lage allmählich ändert und in der Reichspogromnacht eskaliert. Dieser Tag verändert drastisch das Leben der Familie Meyer und ihrer Freunde.

Wahrheit und Fiktion

Die Trilogie basiert auf der wahren Geschichte der Familie Meyer, wie Ulrike Renk in ihrem Nachwort zur Entstehung des Buches erläutert. Sie schreibt, welche Personen und Begebenheiten wahr sind und welche ihrer Fantasie entsprungen sind.

Die Familie Meyer wohnte schräg gegenüber der Villa Merländer, einem Seidenfabrikanten in Krefeld. Die Villa Merländer ist seit 1991 ein Museum und NS-Dokumentationsstätte. Es finden dort Veranstaltungen und Lesungen statt.

Wie hat mir „Jahre aus Seide“ gefallen?

“Jahre aus Seide” ist ein gelungener Auftakt der neuen Seidenstadt-Trilogie, die nach wahren Schicksalen der Familie Meyer geschrieben wurde. Entstanden ist ein sehr gut recherchierter Roman gegen das Vergessen und ein bewegendes Zeitzeugnis der jüdischen Geschichte Krefelds.

Ulrike Renk zeichnet ein lebendiges Bild der jüdischen Familie Meyer. Der Autorin gelingt es, die schleichenden Veränderungen des Alltags, die Unsicherheit und Unruhe, bis zum Entzug der Existenzgrundlage, dem Leser zu vermitteln. In gewohnt ruhiger Erzählweise werden Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde in der Seidenstadt Krefeld gewährt. Es ist spannend zu lesen, wie die Menschen damals gelebt haben und mit der gesellschaftlichen und politischen Situation umgegangen sind. Ich finde diesbezüglich die Gespräche zwischen der Familie und den Freunden sehr aufschlussreich.

Die Charaktere sind liebevoll angelegt. Ich hätte beide Kinder, Ruth und Ilse, älter eingeschätzt, als sie sind. Die Familie Meyer ist liberal eingestellt. Martha ist eine moderne Frau, die sich gut alleine behaupten kann. Karl bindet sie in seine Entscheidungen mit ein, was durchaus damals nicht üblich war.

Die Jahre 1926 bis 1933 werden sehr ausführlich behandelt, die Jahre 1933 bis 1938 wirken dagegen, wie im Zeitraffer geschrieben.

Der Roman schließt mit einem Cliffhanger, der Leser muss jedoch bis zum nächsten Sommer auf die Fortsetzung warten.

Die große Seidenstadt-Saga

  • Band 1: “Jahre aus Seide” (07. Dezember 2018)
  • Band 2: “Zeit aus Glas” (14. Juni 2019 )
  • Band 3: “Tage des Lichts” (17. Februar 2020)


Fazit

“Jahre aus Seide” ist kein Buch für zwischendurch, der Roman erfordert aufmerksames Lesen, um die Zwischentöne zu verstehen. Nach wahren Begebenheiten geschrieben, ist der Roman ein Zeitzeugnis des jüdischen Lebens in der Seidenstadt Krefeld.

Ich kann jedem, der sich für das Leben während des Nationalsozialismus interessiert, „Jahre aus Seide“ wärmstens empfehlen.

Autor


Ulrike Renk, geboren 1967 in Detmold, zog ein paar Jahre später mit Eltern und Bruder nach Dortmund, wo sie auch die Schule besuchte. Studienaufenthalt in den USA, Studium der Anglistik, Literaturwissenschaften und Soziologie an der RWTH Aachen. (Amazon) Ulrike Renk lebt als freie Autorin in Krefeld. Bei Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Die Frau des Seidenwebers“, „Die Heilerin“, „Die Seidenmagd“ sowie die Bestseller „Die Australierin“, „Die australischen Schwestern“ und „Das Versprechen der australischen Schwestern“ erschienen. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de


Informationen zum Buch

Titel: Jahre aus Seide
Autor: Ulrike Renk
Genre: Historischer Roman
Print-Ausgabe: 576 Seiten
Ausgaben: E-Book, Taschenbuch, Hörbuch, Audio-CD
Verlag:  Aufbau Verlag (7. Dezember 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746634415
ISBN-13: 978-3746634418

Kategorie: Rezensionen, Roman

von

Profilbild Kristina

Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

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