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Die Zeit der Kraniche – Ulrike Renk

Cover Die Zeit der Kraniche

Endlich ist die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung der Ostpreußen Saga erschienen! „Die Zeit der Kraniche“ ist der Abschluss dieser Trilogie. Bei der Leserunde bei LovelyBooks hatte ich wieder Glück unter den Gewinnern zu sein. Vielen Dank an Ulrike Renk und den  aufbau Verlag.

Um was geht es im letzten Teil der Trilogie?

Im Herbst 1944 nähert sich der Krieg seinem Ende. Die große Flucht aus Ostpreußen in den Westen hat begonnen. Die Schreckensnachrichten über den Einmarsch der sowjetischen Armee machen die Runde. Frederike zu Mansfeld muss sich entscheiden, bleiben oder mit der Familie ohne Gebhard in den Westen fliehen.

Unruhige Zeiten und Aufbruch in eine neue Zeit

Der Abschluss der Ostpreußen Saga schildert ausführlich die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges und die unruhigen Zeiten danach. Ulrike Renk beschreibt einfühlsam den Kriegsalltag auf dem Gut und das Chaos, das zum Ende des Krieges geherrscht hat. Während ihrer Besuche in Berlin und Potsdam sieht Freddy den deutlichen Unterschied zwischen dem Leben in zerbombten Städten und dem Landleben.

Ulrike Renk konfrontiert den Leser mit Vertreibungen, Zerstörungen und tragischen Schicksalen. Sie zeigt, wie sich das tägliche Leben mit den Fremdarbeiten, Einquartierten und Zwangsarbeitern gestaltet hat. Sie beschreibt, wie gegensätzlich sich Menschen verhalten können. Auf der einen Seite Freddy mit ihren Leuten und auf der anderen Seite der Verwalter Hitlopp, der stellvertretend für die grausamen Taten des Naziregimes steht. Hitlopps willkürliches Handeln macht mich sprachlos.

Der Aufbruch in eine neue Zeit weist Parallelen zur Gegenwart auf. Kriegsflüchtlinge hatten es damals wie heute schwer, sie wurden nicht gerne gesehen. Trotzdem fanden sich hilfsbereite Menschen, die den Neuanfang erleichtert haben.

Wie hat mir „Die Zeit der Kraniche“ gefallen?

Der letzte Teil der Trilogie beschreibt ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte. Es ist ein großartiger Abschluss der Trilogie. Gut recherchierte Zeitgeschichte, die sich auch mit den kleinen Dingen des Alltags befasst. Der Roman ist packend und spannend geschrieben und bringt dem Leser die damaligen schweren Zeiten näher.

Der Roman ist eine gelungene Verbindung zeitgeschichtlicher Fakten und Fiktion. Die Autorin bedient sich eines leichten und bildhaften Schreibstils, der das schwere Thema lesbar macht. „Die Zeit der Kraniche“ ist für das Innehalten und Nachdenken über den Nationalismus und seiner Auswirkungen, wie geschaffen.

Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und ich hätte mir gewünscht, noch mehr über Frederikes weiteren Weg zu erfahren.

Die Charaktere

Die Charaktere sind bis ins Detail liebevoll und treffend angelegt. Es sind alle Facetten zwischen sympathisch und unsympathisch vertreten. Für einen besseren Überblick sind die wichtigsten handelnden Personen am Anfang des Buches aufgelistet.

Frederike ist eine starke Frau, der das Leben nichts geschenkt hat. Sie musste viele Schicksalsschläge einstecken, aus denen sie gestärkt hervorgegangen ist. Sie empfindet ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Regime, sowohl in Kriegszeiten als auch in der Nachkriegszeit in Ostdeutschland. Ich finde es großartig, wie sich Freddy für die Fremd- und Zwangsarbeiter einsetzt. Sie ist durch und durch eine Gutsherrin vom alten Schlag, der das Wohl ihrer “Leute” am Herzen liegt. Freddy hat es nicht leicht, aber die Kinder und ihre loyalen “Leute” geben ihr die Kraft, das Leben zu meistern.

An Freddys Freundin Thea wird deutlich, wie ein sympathischer Charakter sich durch die Umstände unvorteilhaft verändert.

Der vom Naziregime eingesetzte Verwalter Hitlopp ist ein Beispiel dafür, wie Propaganda einen Menschen verändert. Hitlopp ist ein typischer Naziaufsteiger. Berauscht von der Macht, die er plötzlich hat, macht er reichlich Gebrauch davon und genießt es, andere Menschen zu erniedrigen. Hitlopp genießt seine Macht und zeigt sie ständig. Freddy ist sein persönlicher Feind und er demütig sie immer wieder.

Gebhard zu Mansfeld ist eindeutig der tragische Charakter dieser Trilogie. Ein Gutsbesitzer, dem seine Familie sehr wichtig ist, der sein Land liebt und sich für keine Arbeit zu schade ist. Geachtet und beliebt bei seinen Leuten. Seine Überzeugung wurde ihm, sowohl unter dem alten, wie dem neuen Regime zum Verhängnis.

Gebhards Bruder Caspar war während des Krieges im Exil in London. Er ist ein Kommunist voller Idealismus und wollte den sozialistischen Staat in Ostdeutschland verwirklichen. Merkt aber zu spät, dass die Realität eine andere ist.

Die Ostpreußen Saga

Ostpreußen Trilogie

Die drei Bände der Ostpreußen Saga

  1. Das Lied der Störche 1920 – 1930
  2. Die Jahre der Schwalben 1930 – 1944
  3. Die Zeit der Kraniche 1944 – 1949

Die Trilogie schildert das bewegende Schicksal von Frederike zu Mansfeld, geb. von Weidenfels, verw. zu Stieglitz, genannt Freddy. Die Familiensaga entstand nach einer realen Vorlage. Am Ende jedes Romans erklärt die Autorin, wie sie auf die Geschichte aufmerksam wurde, welche Fakten sie verwendete und was der künstlerischen Freiheit entsprungen ist.

„Eine junge Frau zwischen Verlust und Aufbruch in ein neues Leben.“

Es ist nicht zwingend notwendig den ersten Teil der Trilogie zu kennen. Im zweiten Band „Die Jahre der Schwalben“ liefert Ulrike Renk die notwendigen Fakten an entsprechender Stelle nach. Den letzten Teil „Die Zeit der Kraniche“ empfehle ich, erst nach „Die Jahre der Schwalben“ zu lesen. So ergibt sich ein vollständiges Bild über Frederikes Leben.

Fazit

„Die Zeit der Kraniche“ ist ein gelungener Abschluss einer großartigen Familiensaga über eine starke junge Frau in Ostpreußen. Es ist ein Stück Zeitgeschichte, einfühlsam und spannend erzählt. Wer gerne Familienromane nach wahren Begebenheiten liest, kommt an dieser Trilogie nicht vorbei.

Autor

Ulrike Renk, geboren 1967 in Detmold, zog ein paar Jahre später mit Eltern und Bruder nach Dortmund, wo sie auch die Schule besuchte. Studienaufenthalt in den USA, Studium der Anglistik, Literaturwissenschaften und Soziologie an der RWTH Aachen. (Amazon) Ulrike Renk lebt als freie Autorin in Krefeld. Bei Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Die Frau des Seidenwebers“, „Die Heilerin“, „Die Seidenmagd“ sowie die Bestseller „Die Australierin“, „Die australischen Schwestern“ und „Das Versprechen der australischen Schwestern“ erschienen. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de

Informationen zum Buch

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Titel: Die Zeit der Kraniche
Autor: Ulrike Renk
Genre: Roman
Print-Ausgabe: 515 Seiten
Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch
Verlag: Aufbau Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746633567
ISBN-13: 978-3746633565

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