Rezensionen, Roman
Schreibe einen Kommentar

Das Lied der Störche – Ulrike Renk

Cover Das Lied der Störche

Frederike wächst mit ihren Halbgeschwistern Fritz und Gerta auf einem Gut in Ostpreußen auf. Sie erlebt eine unbeschwerte Kindheit, bis sie ein Gespräch ihrer Mutter Stefanie belauscht und erfährt, dass ihr Erbe verloren gegangen ist. Freddy sieht ohne Mitgift einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie besucht eine Schule für höhere Gutstöchter in Bonn, um zu lernen, wie man ein Gut leitet.

Als sie 1928 mit neunzehn Jahren nach Ostpreußen zurückkehrt, ist ihre Mutter fest entschlossen, ihre Tochter schnellstmöglich zu verheiraten. Frederike trifft Ax von Stieglitz wieder, für den sie schon immer geschwärmt hat. Sie genießt seine Aufmerksamkeiten und trotz des Altersunterschieds fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Doch sie ahnt, dass ihn ein Geheimnis umgibt, das ihn abhält, um ihre Hand anzuhalten.

Im Mittelpunkt der Familiensaga steht Frederike, genannt Freddy. Sie ist die älteste Tochter von Stefanie. Erik von Fennhusen, Frederikes neuer Stiefvater, behandelt alle seine Kinder gleich. Das Gut erben, werden jedoch seine leiblichen Kinder und auch Fritz und Gerta sehen einer ungewissen Zukunft entgegen.

„Das Lied der Störche“ beschreibt im ersten Teil das beschauliche Leben und die unbeschwerte Kindheit auf einem Gut in Ostpreußen der 20er Jahre. Die Gegensätze zwischen dem Großstadtleben und dem Leben auf dem Land waren früher viel größer, als heute. Die Unterschiede werden besonders deutlich, als Sommergäste aus Berlin eintreffen und am Beispiel der Sommerzwillinge, anschaulich geschildert werden. Stefanie, die von Potsdam nach Ostpreußen kommt, und versucht das Gut zu führen, merkt sehr schnell, dass sie vom Landleben keine Ahnung hat.

Der zweite Teil behandelt Frederikes Leben nach ihrer Rückkehr auf das Gut. Die unbeschwerte Kindheit ist vorbei und Frederike soll möglichst schnell verheiratet werden. Ihre Mutter hat schon die passenden Kandidaten parat. Stefanie sieht Frederikes Zukunft nur in einer Ehe, in der sie finanziell gut abgesichert ist. Frederike indes hat es mit dem Heiraten gar nicht eilig und will auf einen Mann warten, den sie liebt. Sie macht sich sehr viele Gedanken über ihre Zukunft und die Möglichkeiten, die ihr offen stehen. Als unverheiratete Frau ihres Standes gab es damals nicht viele Optionen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn sie weiterhin gesellschaftlich akzeptiert werden will, muss sie sich dem Willen ihrer Mutter beugen.

Bei den Treffen der Gutsbesitzer wird die politische und wirtschaftliche Lage erörtert. Der polnische Korridor macht der Landwirtschaft und der Pferdezucht schwer zu schaffen. Die Diskussionen zeigen den politischen Hintergrund, ohne zu viel Raum im Roman einzunehmen.

Frederike lebt sich auf dem Gut sehr schnell ein. Sie interessiert sich für die Menschen, die dort leben und arbeiten. Sie scheut sich nicht vor Arbeit und hilft, wo sie kann. Sie ist ehrgeizig und sensibel, liebt die Natur, die Tiere, vor allem Hunde und Pferde. Sie ist eine begeisterte Reiterin. Eine besondere Zuneigung verbindet sie mit der Köchin Meta Schneider. Frederike und die Dialekt sprechende „Kechin“, gefallen mir von allen Figuren am besten. Insgesamt wartet der Roman mit vorwiegend sympathischen Protagonisten, die sich glaubhaft weiterentwickeln. Alle Charaktere sind liebevoll angelegt.

Das Wissen, dass die Familiensaga nach einer realen Vorlage entstand, macht Frederikes Lebensgeschichte um so spannender, wobei mir der zweite Teil des Romans besser gefällt. Ulrike Renk ist es gelungen, das Leben auf einem Gut sehr anschaulich darzustellen. Mir geht es jedoch auf den ersten, fast 200 Seiten zu ruhig, zu beschaulich zu.

„Das Lied der Störche“ ist der erste Teil der Trilogie der Ostpreußen Saga. Die Fortsetzung „Die Jahre der Schwalben“ erscheint am 06. Oktober 2017.

Fazit

Ulrike Renk ist es in „Das Lied der Störche“ gut gelungen, die Geschichte einer Gutsbesitzertochter und das beschauliche Landleben, mit Leben zu füllen. Der Roman liest sich unterhaltsam und im letzten Drittel wird es spannend, als es darum geht, wie sich Frederike entscheiden wird.

Cover

Das Motiv des Covers passt gut zur Handlung des Romans. Das i-Tüpfelchen wäre noch ein Storch oder ein Storchennest auf dem Bild.

Autor

Ulrike Renk lebt als freie Autorin in Krefeld. Bei Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Die Frau des Seidenwebers“, „Die Heilerin“, „Die Seidenmagd“ sowie die Bestseller „Die Australierin“, „Die australischen Schwestern“ und „Das Versprechen der australischen Schwestern“ erschienen. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de

Informationen zum Buch

Titel: Das Lied der Störche
Autor: Ulrike Renk
Genre: Roman
Print-Ausgabe:  512 Seiten
Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746632463
ISBN-13: 978-3746632469

Kategorie: Rezensionen, Roman

von

Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.