Rezensionen, Roman
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Jaffa Road – Daniel Speck

Cover Jaffa Road

Aktualisiert am 3. Juni 2021

Der Roman “Piccola Sicilia” handelt von der Archäologin Nina, die auf Sizilien ihren verschollenen Großvater Moritz sucht und ihre jüdische Tante Joëlle kennenlernt. Ich war von “Piccola Sicilia” begeistert und war sehr neugierig darauf zu erfahren, wie die Lebensgeschichte von Moritz weiterging. In “Jaffa Road” wird seine Geschichte weitererzählt.

Handlung

Die Archäologin Nina fliegt nach Palermo. Ihr verschollener Großvater Moritz ist gestorben und hat ihr einen Anteil an seinem Haus in Palermo vermacht. Dort trifft sie Ihre Tante Joëlle und Elias, der behauptet, der Sohn von Moritz zu sein. 

1948: Der Deutsche Moritz Reincke, die Jüdin Yasmina und Tochter Joëlle ziehen nach Haifa, in eine Wohnung in der Jaffa Road. 

Die Familie des palästinensischen Mädchens Amal wird aus ihrem Haus in Jaffa und den angrenzenden Orangenhainen vertrieben.

Drei Familien, drei Generationen, drei Kulturen

In einer Villa in Palermo treffen sich die Deutsche Nina, die Jüdin Joëlle und der Palästinenser Elias. Drei Menschen aus drei verschiedenen Kulturen durch familiäre Bande mit Moritz bzw. Maurice verbunden. Nina, die ihren Großvater nie kennengelernt hatte, ist ihm durch Joëlles Erzählungen bereits näher gekommen. Joëlle ist erschüttert zu erfahren, dass ihr Vater einen Sohn hat, von dem sie nichts wusste. Die drei versuchen die Lebensgeschichte von Moritz zusammenzusetzen, indem sie von ihren Müttern und aus ihrem Leben erzählen. Am Ende haben sie einen Koffer voller alter Fotos und bewegende Erinnerungen an einen Mann, dessen Leben voller Geheimnisse war. 

„Manches vermisst man erst dann, wenn es wirklich verloren ist.“

„Jaffa Road“, Seite 116

Moritz hat sich für das Leben mit Joëlle und Yasmina entschieden. Er lebt mit einem gefälschten Pass und unter neuem Namen in Haifa und hofft darauf, nicht entdeckt zu werden. Abgesehen von Joëlle ist mir die Figur des Moritz bzw. Maurice am sympathischsten. Mit Yasmin konnte ich mich auch in dieser Fortsetzung nicht anfreunden. Das Schicksal des palästinensischen Mädchens Amal hat mich berührt, dennoch kann ich ihren abgrundtiefen Hass auf die Juden und Israel nicht verstehen.

Wie hat mir der Roman „Jaffa Road“ gefallen?

Der erste israelische Unabhängigkeitskrieg ist eines der Themen, mit denen sich der Roman “Jaffa Road” beschäftigt. Der Konflikt zwischen den beiden Parteien wird eindrucksvoll geschildert. Anhand der Familie von Moritz wird die jüdische Sicht des Konflikts beleuchtet. Amals Geschichte beginnt mit der Vertreibung aus Jaffa und beschreibt das Leben der vertriebenen Araber während des israelischen Unabhängigkeitskriegs und danach. In der Gegenwart laufen alle Erzählstränge zusammen und vervollständigen die Lebensgeschichte aller Beteiligten. 

Der Autor Daniel Speck verknüpft gekonnt Zeitgeschichte mit fiktiven Figuren. Der Roman ist wieder hervorragend und fesselnd geschrieben. Ohne Bewertung erzählt der Autor die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf Familienschicksale. Die verschiedenen Blickwinkel beleuchten die Konflikte dieser Region, die heute immer noch politisch brisant sind. “Jaffa Road” ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt.

Die Vertreibung der Araber aus Israel und die entstehenden Konflikte sind auch ein Thema in dem Roman “Der Duft von bitteren Orangen”, den ich erst kürzlich gelesen habe.

Fazit

Der Roman “Jaffa Road” ist die packende Fortsetzung von “Piccola Sicilia”. Der Autor hat Zeitgeschichte eindrucksvoll in Familienschicksale verpackt. Lesenswert für alle, die sich für die Kultur und Geschichte dieser Region interessieren.

Fakten

Im Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Bis zur Gründung stand Palästina seit 1922 unter britischer Verwaltung. Noch in der Gründungsnacht erklärten die arabischen Staaten Israel den Krieg. Daraufhin flohen viele Araber aus ihrer Heimat und die, die bleiben wollten, wurden gewaltsam vertrieben. (Details zur Geschichte Israels kannst du in Wikipedia nachlesen.)

Buchgestaltung

Das Cover von „Jaffa Road“ ist von der Optik her genauso gehalten wie „Piccola Sicilia“ Beide Bücher sind aufwendig und informativ gestaltet. Auf der ausklappbaren Rückseite ist jeweils ein Interview mit dem Autor Daniel Speck. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist die Karte von Haifa mit der Jaffa Road abgebildet.

Jaffa Road - Umschlaginnenseite
Umschlaginnenseite mit der Karte von Haifa

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Fischer Verlag für die Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst.


Autor

Daniel Speck, 1969 in München geboren, baut mit seinen Geschichten Brücken zwischen den Kulturen. Durch seine Reisen und seine Recherchen trifft er Menschen, deren Schicksale ihn zu seinen Romanen inspirieren. Der Autor studierte Filmgeschichte in München und in Rom, wo er mehrere Jahre lebte. Er verfasste Drehbücher, für die er mit dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Sein Roman ›Bella Germania‹ wurde als Dreiteiler prominent verfilmt. Mit dem Bestseller ›Piccola Sicilia‹ führt Daniel Speck uns auf eine Reise ins Herz des Mittelmeers. Dieses vielstimmige Panorama der Kulturen erweitert er in seinem neuen Familienroman ›Jaffa Road‹. (Amazon)

Informationen zum Buch:

Cover Info Jaffa Road

Titel: Jaffa Road
Autor: Daniel speck
Genre: Roman
Print-Ausgabe: 672 Seiten
Ausgaben: Broschiert, E-Book, Hörbuch, Audio-CD
Verlag: FISCHER Taschenbuch; 1. Edition (24. März 2021)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596703840
ISBN-13: 978-3596703845


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Kategorie: Rezensionen, Roman

von

Profilbild Kristina

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