Krimi, Rezensionen
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In tiefen Schluchten – Anne Chaplet

Cover In tiefen Schluchten

Die ehemalige Anwältin Tori Godon lebt seit einigen Jahren in Belleville, einem kleinen Dorf in den Cevennen. Die wilde Natur mit ihren unzähligen Höhlen zieht viele Touristen an. Tori will die Suche nach der Familiengeschichte ihres verstorbenen Ehemanns fortsetzen. Die Dorfbewohner sind sehr misstrauisch, nur der alte Didier gibt bereitwillig Auskunft und redet über verborgene Schätze in den Höhlen. Ein paar Tage später kommt er ums Leben. Als Adriaan, ein holländischer Höhlenforscher, von einer Tour nicht zurückkehrt, wundert sie sich, dass die Polizei keine Suchaktion startet. Sie macht sich alleine auf die Suche und steuert die von Adriaan in einer Karte eingezeichneten Punkte an. Was hat er dort gesucht? Als Tori dabei in eine Felsspalte abstürzt, schwebt sie in Lebensgefahr.

Entgegen meinen Erwartungen ist “In tiefen Schluchten” kein Krimi. Die Bezeichnung Kriminalroman und die Info über das Buch im Klappentext wecken falsche Erwartungen. Ich wurde trotzdem nicht enttäuscht. Es ist ein schön geschriebener Roman über eine wunderschöne französische Landschaft und ihre Dorfbewohner mit einer aus Deutschland stammenden Protagonistin, der ehemaligen Patentanwältin Tori Godon.

“… der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal die Richtung wechseln können.” (S. 207)

Tori Godon ist vor einigen Jahren mit ihrem kürzlich verstorbenen Mann, in das kleine fiktive Dorf Belleville, gezogen. Eigentlich sollte sie nach dem Tod ihres Mannes die Anwaltskanzlei in Deutschland übernehmen. Doch die trauernde Tori fühlt sich, trotz der Ablehnung einiger Dorfbewohner, wohl in ihrer Wahlheimat. Um eine neue Aufgabe zu haben, beschließt sie die Suche nach den hugenottischen Vorfahren fortzuführen. Informationen erhofft sie sich am ehesten von den alten Dorfbewohnern und spricht zuerst mit Didier. Einen guten Freund findet sie in Nico, einem ehemaligen deutschen Kriminalkommissar, der schon länger in dieser Gegend wohnt. Sie liebt es auf den Markt zu gehen, lange Spaziergänge durch die wilde Natur zu unternehmen und die französische Lebensart zu genießen. Als Ermittlerin ist mir Tori nicht neugierig genug. Sie interessiert sich mehr für die Geschichte ihres Hauses, die eng mit den Hugenotten verknüpft ist, als für den verschwundenen Holländer und den toten Didier.

Für einen Krimi nehmen die Todesfälle zu wenig Raum ein. Ansätze für mehr Spannung gibt es genügend. Auch das Verschwinden des Holländers Adriaan hätte das Potenzial für mehr Spannung gehabt. Zumal einige Kapitel aus der Sicht eines verletzten Mannes geschrieben sind. Und dann die Karte mit den geheimnisvollen Markierungen …

„Der Mantel der Geschichte braucht mehr als ein Lüftchen, um in Bewegung zu geraten.“ (S. 81)

Mir gefällt die Idee, die Geschichte der Gegend mit der Geschichte eines alten Hauses zu verknüpfen. Die historischen Details über die Hugenotten finde ich spannend. Interessant ist die Haltung der Dorfbewohner gegenüber den Deutschen, die sich in der geschichtsträchtigen Gegend niedergelassen haben. Die Auswirkungen der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges und das Wirken der Résistance sind dort immer noch zu spüren.

Bei den tollen Landschaftsbeschreibungen erinnere ich mich wieder an meinen Urlaub in dieser Gegend. Das Treiben auf dem Markt und die Szenen mit den Dorfbewohnern im Bistro sind so, wie ich sie in Erinnerung habe.

„Wir sind die Nachfahren der Rebellen. Wir hüten ihre Geheimnisse und die Geheimnisse unserer Väter.“ (S. 80)

Angenehm überrascht haben mich die Karten auf den Umschlaginnenseiten, damit der Leser weiß, in welcher Gegend die Geschichte spielt und sich besser orientieren kann.

Das Ende finde ich nicht zufriedenstellend. Die Todesfälle werden nicht wirklich aufgeklärt, das mag zwar realistisch und für das Zusammenleben der Dorfbewohner wichtig sein, aber in einem Krimi möchte ich einen (oder mehrere) Täter präsentiert bekommen. Ich hätte mir mehr Spannung und Antworten auf die noch offenen Fragen gewünscht.

“In tiefen Schluchten” ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe mit Tori Godon. Mir haben die sympathischen Figuren Tori und Nico, sowie einige Dorfbewohner gut gefallen. Um zu erfahren, wie sich die Dinge weiterentwickeln, werde auch die Fortsetzung lesen.

Das Taschenbuch wurde mir freundlicherweise vom KiWi Verlag für die Rezension zur Verfügung gestellt. Das Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks gelesen.

Fazit

“In tiefen Schluchten” ist nicht der Krimi, den ich erwartet habe. Ich las aber einen schönen Roman mit tollen Landschaftsbeschreibungen und über das Leben in einer Dorfgemeinschaft mit interessanten Charakteren. Bereichert wurde die Geschichte durch historische Details aus der Hugenottenzeit.

Autor

Hat die Lust am Krimischreiben erst spät entdeckt. 1998 erschien mein erster Roman „Caruso singt nicht mehr“ beim Kunstmann-Verlag. Bis heute habe ich zehn Romane (einige davon preisgekrönt) und unzählig viele Kurzgeschichten geschrieben, zu lesen auf www.anne-chaplet.de. Auf dieser Seite kann man auch in meinem Tagebuch blättern, das ich fast zehn Jahre lang geführt habe.
Ich teile die Lust am Schreiben und am Lernen mit meinem Alter Ego Cora Stephan, die allerdings etwas ganz anderes schreibt als ich… (Amazon)

Informationen zum Buch

Titel: In tiefen Schluchten
Autor: Anne Chaplet
Genre:Kriminalroman
Print-Ausgabe:  320 Seiten
Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch, Audio-CD
Verlag: KiWi-Taschenbuch
Sprache: Deutsch
Originaltitel:
ISBN-10: 3462050427
ISBN-13: 978-3462050424
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Kategorie: Krimi, Rezensionen

von

Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

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