Rezensionen, Roman
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Die Gunst der Königin – Rita Maria Fust

Cover Die Gunst der Königin

Aktualisiert am

1804: Der Apotheker Conrad Johann Conasmann ist davon besesen, die Gunst der Königin Luise zu erlangen, die er verehrt. Er möchte ein Mittel erfinden, welches es ermöglicht, Preußens Soldaten gegen Napoleon unbesiegbar zu machen. Er experimentiert mit Opium.

2012: Der Journalist Oliver Thielsen hat das Haus seiner Ahnen in Lippstadt zurückgekauft, in dem sich eine denkmalgeschützte Apotheke befindet. Zufällig beobachtet er in der Nacht den Apotheker Dr. Lange bei der Herstellung von Tabletten. Als beim Altstadtlauf ein Läufer kurz vor dem Ziel zusammenbricht und kurz darauf stirbt, ist seine journalistische Neugier geweckt.

Anders als der Titel und Cover vermuten lassen, handelt es sich weder um einen biografischen Roman noch um einen Liebesroman. Der Roman „Die Gunst der Königin“ beschäftigt sich mit einem ernsten Thema: die Entdeckung des Morphiums und Doping damals und heute. Das Morphium wurde 1804 von dem Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner in Paderborn entdeckt. Seinen Namen verdankt es Morpheus, dem Gott des Traumes.

„Die Gunst der Königin“ ist ein historischer Roman, der auf zwei Ebenen spielt. Der historische Teil beschäftigt sich mit den Jahren 1799 – 1804 und der Gegenwart im Jahr 2012. Die kurzen Kapitel sind jeweils mit Datum und Ort versehen, das den Wechsel der Epochen verdeutlicht.

Der Roman führt den Leser in die gut recherchierte Welt der Apotheken, dokumentiert mit Originalurkunden, Verordnungen und Forschungsberichten. Rita Maria Fust kombiniert historische Fakten mit fiktiven Begebenheiten, die so hätten stattfinden können. Die beiden Epochen sind gut miteinander verbunden.  Der Erzählstil passt sich sprachlich der jeweiligen Epoche an. Der historische Teil enthält viele Originalzitate mit Anmerkungen und Fußnoten, die den Lesefluss stören. Sie sind sehr interessant zu lesen, wären aber in einem Anhang besser aufgehoben. Die Handlung kommt in diesem Abschnitt zu kurz.

Das Buch hat mir interessante Einblicke in die Welt der Apotheken beschert. Einerseits das Herstellen von Medikamenten und Forschen nach neuen Mitteln und andererseits die strikten Apothekenverordnungen. 1801 existierten in Lippstadt drei Apotheken. Die Adler-Apotheke von Jordan, die Engel-Apotheke von Fabro und die Einhorn-Apotheke. Die beiden Apotheker Jordan und Fabro unternahmen Anstrengungen beim Bürgernmeister, die dritte Apotheke schließen zu lassen, da sie der Meinung waren, zwei Apotheken wären genug. Eine Niederlassungsfreiheit für Apotheken gibt es erst seit 1958.

Die Charaktere sind detailliert und glaubwürdig beschrieben. Im historischen Teil sind die Figuren vorwiegend negativ besetzt. Eine Ausnahme bildet der Apotheker Sertürner, der leider nur ein Gastspiel gibt. Ich hätte gerne mehr über ihn und seine Forschungen erfahren.

Conrad Johann Conasmann arbeitet als Geselle in der Adler-Apotheke, hat „überall Ohren“ und mischt sich gerne in die Angelegenheiten anderer. Er rettete dem Apotheker Jordan das Leben und benimmt sich seither, als wäre es seine eigene Apotheke. Er träumt von einem Medikament, das einen Sieg Preußens gegen Napoleon garantiere und experimentiert mit Opium. Seine Selbstversuche gehen an ihm nicht spurlos vorüber. Conasmann ist mir äußerst unsympathisch. Der Apotheker Jordan dito. Jordans prägende Eigenschaften sind Gier und Maßlosigkeit. Er träumt von einer einzigen Apotheke in Lippstadt.

Oliver arbeitet bei der Lippstädter Tageszeitung und ist ein „waschechter Klugscheißer“. Sein Lieblingsthema ist Stadtgeschichte und er sieht sich als „Hüter der Traditionen“. Der Apotheker Dr. Renè Lange besetzt in der Gegenwart die Rolle des Unsympathen.

Wer den Roman „Der Kaufmann von Lippstadt“ gelesen hat, dem ist Oliver bereits bekannt. Ich kenne den Vorgänger nicht und ich hatte nicht das Gefühl, dass mir Informationen fehlen.

Fazit

Der Roman „Die Gunst der Königin“ hat mir gut gefallen. Die Einblicke in das Thema Apotheken sind sehr interessant. Wobei mich die Handlung in der Gegenwart mehr gefesselt hatte, als der historische Teil.

Cover und Titel

Das Cover zeigt ein Gemälde von Königin Luise. Das Cover und der Titel passen zu diesem historischen Roman. Es entsteht jedoch der Eindruck, dass es sich entweder um einen biografischen Roman über Königin Luise oder um einen Liebesroman handelt. In der „Die Gunst der Königin“ geht es aber um die Entdeckung des Morphiums und Doping. Ich finde ein Cover mit Apothekenutensilien oder ein Labor passender.

Autor

Rita Maria Fust ist 1971 in Paderborn geboren und studierte dort Literatur- und Medienwissenschaft (Magister). Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie in Lippstadt und arbeitet dort als freiberufliche Autorin, Texterin und Referentin für Kulturelles und Literarisches. Ihr Fokus richtet sich auf die deutsche Geschichte, die Geschichte Lippstadts und Paderborns sowie auf Stadtdarstellungen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Rita Maria Fust ist Mitglied der Autorenvereinigungen ‚HOMER‘ und ‚MÖRDERISCHE SCHWESTERN‘. Ihr erster historischer Roman ‚Der Kaufmann von Lippstadt‘ erschien 2014 im Gmeiner-Verlag. (Amazon)

Informationen zum Buch

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Titel: Die Gunst der Königin
Autor: Rita Maria Fust
Genre: Historischer Roman
Print-Ausgabe:  313 Seiten
Ausgaben: Broschiert, E-Book
Verlag: Gmeiner-Verlag (2. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839218225
ISBN-13: 978-3839218228

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Kategorie: Rezensionen, Roman

von

Profilbild Kristina

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