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Der Teufel im Glas – Natalie Mesensky

Cover Der Teufel im Glas

Aktualisiert am

Die Archäologin Anna Grass entdeckt in einem mittelalterlichen Grab die Leiche eines Geistlichen. Pater Raffaele war Exorzist der Diezöse Rom. Kurze Zeit später wird in der Michaelergruft in Wien ein toter Priester gefunden. Pater Michael, ein alter Studienfreund von Anna wurde erschlagen und auf dem Boden festgenagelt. Major Paul Kandler, mit dem Anna befreundet ist, übernimmt die Ermittlungen. Anna soll zusammen mit Professor Kolma, einem prominenten Wiener Psychiater, Informationen über Bestattungsrituale schreiben.

„Teufel im Glas“ ist ein Kriminalroman, der in Wien spielt und sich mit der Kirche und Aberglauben beschäftigt. Der Leser erfährt Wissenswertes über Bestattungsrituale, Wiedergänger und Befreiungsgebete. Der Krimi bietet auch Einblicke in die bessere Wiener Gesellschaft. Nach außen hin wird um jeden Preis der Schein gewahrt, egal, wie es hinter den Kulissen brodelt. Bestes Beispiel dafür ist Professor Kolma mit seiner Mutter und Annas Schwager, ein Staranwalt.

Anna ist eine junge Frau, die noch mit den Nachwirkungen des letzten Falls kämpft. Sie möchte an den Ermittlungen teilnehmen, da sie schon öfters als Gutachterin und Beraterin für das Bundeskriminalamt tätig war. Die Zusammenarbeit mit Professor Kolma gestaltet sich schwierig. Sie findet ihn höchst unsympathisch und verdächtigt ihn, mehr über die Morde zu wissen, als er zugibt. Zudem er auch für die Erzdiözese in Wien tätig ist.

Paul Kandler ist anderer Ansicht als Anna und verfolgt andere Spuren. Anna will auf eigene Faust die Wahrheit herausfinden. Unterstützung findet sie unerwarteterweise in Dr. Bauer, dem jungen Assistenten von Kandler. Major Paul Kandler und der ehrgeizige Dr. Bauer sind ein schönes Gespann. Die beiden liefern sind herrliche Wortgefechte, denn Bauer ist ein kleiner Klugscheißer. Kandler wirkt angespannt und steht kurz vor dem Burn-out. Er macht sich viel zu viele Gedanken darüber, dass Bauer seinen Posten will. Außerdem hat er Stress mit seiner Frau, die ihn ständig bevormundet und nur gesundes Essen vorsetzt. Dr. Bauer bemüht sich sehr um Anna und hilft ihr, wo er nur kann.

„Pläne sind dazu da, um Gott zum Lachen zu bringen.“

Die Charaktere sind durchweg interessant und glaubwürdig. Mal mehr, mal weniger sympathisch und mit menschlichen Stärken und Schwächen. Fast alle Figuren stehen in irgendeiner Beziehung zueinander. Ich hatte das Gefühl, die Autorin setzt stillschweigend voraus, dass der Leser das erste Buch mit Anna Grass gelesen hat.

Sehr interessant ist der Nebenstrang mit Professor Kolma, der ein schweres Erbe seines Vaters antreten musste. Dr. Kolma senior war während der Nazizeit aktiv an Versuchen mit Kindern und Jugendlichen beteiligt.

Sehr schön wiedergegeben ist der lokale Kolorit Wiens, unterstrichen durch den Schreibstil mit leichtem Humor und dem Wiener Dialekt. Die meisten Redewendungen und Wörter erklären sich aus dem Textkontext, ich musste lediglich nur ein paar Wörter, wie beispielsweise kalmieren nachschlagen.

Zum Verständnis des Buches empfiehlt es sich, den ersten Teil „Im Namen der Venus“ zu lesen. Ich habe den ersten Teil mit Anna Grass nicht gelesen und finde, man kann die beiden Bücher nicht unabhängig voneinander lesen. Es werden Vorfälle angesprochen, aber nicht geklärt. Keine erklärenden Rückblenden oder Hinweise. Stattdessen werden immer wieder Anspielungen auf den ersten Fall eingeflochten. Weniger wäre mehr gewesen. Ich hatte immer das Gefühl, mir fehlt ein Stück Handlung. Ich finde das sehr schade, da mir das Buch eigentlich sehr gut gefallen hat.

Fazit

„Der Teufel im Glas“ von Natalie Mesensky ist ein spannender Krimi mit einer ungewöhnlichen Handlung und unerwarteten Wendungen. Der Lesegenuss wird lediglich durch die fehlenden Erklärungen von Annas Vorgeschichte getrübt. Ein lesenswerter Krimi, den ich gerne weiterempfehlen kann.

Cover und Titel

In einer Buchhandlung wäre mir das Cover sofort aufgefallen. Es ist ein sehr schönes Foto und ein Matt-/Glanzeffekt macht das Cover zu etwas Besonderen. Es passt wunderbar zum Inhalt des Kriminalromans, der in Wien spielt. Der Tote wurde in der Michaelergruft gefunden.

Der Teufel im Glas ist eine in Harz gegossene Figur, die im Kunsthistorischen Museum in Wien bewundert werden kann. Ein Bild der Figur und Hintergründe zum Buch sind auf der Website der Autorin Natalie Mesensky zu finden.

Autor

Natalie Mesensky wurde 1964 in Wien geboren. Nach der Matura in der Klosterschule inskribierte sie Biologie an der Universität Wien.
1988 war sie Teil des archäologischen Grabungsteams, das in der Wachau die älteste Venusstatuette der Welt fand, die Venus vom Galgenberg.
Auf dieses Schlüsselerlebnis folgte der Umstieg auf das Studium der Ur- und Frühgeschichte. Die Autorin war aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Experimentelle Archäologie, arbeitete viele Jahre für Museen, auf archäologischen Ausgrabungen und publizierte wissenschaftliche Arbeiten. Nach der Gründung eines Büros für Öffentlichkeitsarbeit begann der Wechsel in die Softwarebranche. Heute lebt sie im Salzkammergut.
Für den Roman „der Teufel im Glas“ erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Landes Oberösterreich. (Amazon)
Weitere Infos: www.mesensky.eu

Informationen zum Buch

Titel: Der Teufel im Glas
Autor: Natalie Mesensky
Genre: Kriminalroman
Print-Ausgabe: 280 Seiten
Ausgaben: Broschiert, E-Book
Verlag: Gmeiner-Verlag; 6. Juli 2016
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839219159
ISBN-13: 978-3839219157
Leseprobe*

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Kategorie: Krimi, Rezensionen

von

Profilbild Kristina

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