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April – ein spannender Monat

Cover Rückblick April 2017

Ein wahrlich spannender Monat, denn ich habe fast nur Krimis gelesen. Sogar der historische Roman „Die Festung am Rhein“ von Maria W. Peter, hat sich wie ein Krimi lesen lassen. Der Roman spielt in der Rheinprovinz Coblenz 1822, als die Rheinländer unter preußischer Besatzung waren. Ich war von dem Roman begeistert und werde noch eine Rezension dazu schreiben.

Ein weiteres Highlight in diesem Monat war der Thriller „Todesurteil“ von Andreas Gruber mit dem außergewöhnlichen Ermittlerduo Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder. Gleich dahinter rangieren die Lavendel-Krimis, „Tödlicher Lavendel“ und „Schwarzer Lavendel“ von Remy Eyssen. Mordermittlungen mit Urlaubsfeeling in der Provence. Eine Rezension wird folgen.

Als Flop des Jahres entpuppte sich ausgerechnet der viel gepriesene Bestseller aus den USA, „Sweetbitter“ von Stephanie Danler. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dass ich am liebsten abgebrochen hätte. Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar erhalten und durchgehalten, nach dem Motto: „Da musst du durch, hilft nichts“.

Als Belohnung las ich hinterher den Krimi „Die Tigerin“ von Silke Nowak, der eigentlich ein Psychothriller ist. Ein richtiger Pageturner. „Osterfeuer“ von Ella Danz ist dagegen eher ein Roman, als ein Thriller. Protagonistin und Ermittler sind beide Hobbyköche und es wird viel gekocht. Mit Rezepten im Anhang.

Für die Challenge „Stadt-Land-Fluss“ habe ich ein Titel mit N gebraucht. In den Tiefen meines Subs, bin ich fündig geworden. „Nachts sind alle Schafe schwarz“ von Heike Abidi nimmt humorvoll den esoterischen Hokuspokus aufs Korn.

Eine Übersicht der gelesenen Bücher ist in Mein Lesejahr 2017 zusammengestellt.

Die Buchbesprechungen im Rückblick April 2017:

„Möwenfraß“ von Klara Holm

Der Kriminalhauptkommissar Luka Kroczek ist seiner Freundin zuliebe von Düsseldorf nach Rügen umgezogen. Noch mitten im Umzug wird er zu einem neuen Fall gerufen. Eine übel zugerichtete Frauenleiche wurde in einem Fischerhaus aufgefunden. Ein Hauptverdächtiger ist schnell ausgemacht. Ist er aber wirklich der Mörder? Welche Rolle spielen die Beobachtungen des kleinen Maik, der seit seiner Entdeckung in Todesangst lebt?

An Lukas ersten Arbeitstag geht so manches schief. Mangels Kindergartenplatz für seine kleine Tochter nimmt er sie mit ins Büro. Von seinen neuen Kollegen wird er nicht besonders herzlich empfangen, da sich einige Hoffnungen auf den Posten des Leiters der Kripo Bergen gemacht haben. Seine neue Partnerin Conny Böhme findet ihren Chef arrogant und fühlt sich unterschätzt und nur mit “Depperl” Aufgaben betraut. Sie möchte zeigen, dass sie gut ist und was auf dem Kasten hat.

Vorurteile gegen “Wessis” und sprachliche Probleme erschweren Lukas Arbeit. Die Ermittler mit ihren Alltagsproblemen wirken sympathisch. Der Fall birgt einige Überraschungen und zeigt, wie schwer es ist, den Täter nicht nur zu finden, sondern auch handfeste Beweise zu beschaffen.

Ich habe “Möwenfraß” mit Begeisterung gelesen, genauso wie “Krähennest” den zweiten Fall der Reihe.

„Todesurteil“ von Andreas Gruber

Ein Jahr nach ihrem Verschwinden taucht die zehnjährige Clara, verstört und stumm, mit einer Tätowierung auf dem Rücken, wieder auf. Die Wiener Staatsanwältin Melanie Dietz findet heraus, dass es noch mehr Opfer mit diesen Tätowierungen, die die Motive aus Dantes “Inferno” zeigen, gibt.

Sabine Nemez studiert inzwischen an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs in Wiesbaden. Ihr Dozent, der Profiler Maarten S. Sneijder nimmt mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Sabine entdeckt Zusammenhänge zwischen einigen Fällen. Die Spur führt nach Wien und Clara ist die Einzige, die den Täter gesehen hat.

Sabine Nemez hat es geschafft, als eine von 50 Teilnehmern darf sie an der Akademie des BKA studieren. Für den Studiengang Fallanalyse bei Maarten S. Sneijder werden nur fünf Studenten ausgewählt. Sabine ist die “verbohrteste, hartnäckigste und talentierteste” von ihnen. Sie ist die Einzige, der es gelingt, mit Maarten S. Sneijder zusammenzuarbeiten. Dem besten Profiler des BKA, der “einfühlsam und rücksichtsvoll ist, wie ein Stein” aber eine besondere Art hat, sich in den Täter einzufühlen. Der unterhaltsame Schlagabtausch der beiden ist herrlich zu lesen. Das allgegenwärtige “Fassen Sie das in drei knappen, präzisen Sätzen zusammen” hallte bei mir lange nach.

Die komplexe Story ist perfekt angelegt. Die beiden Handlungsstränge Wiesbaden und Wien, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, werden parallel abgehandelt, dann aber gekonnt zusammengeführt. Erschreckend sind die Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele.

“Todesurteil” ist nach “Todesfrist” der zweite Fall für das Ermittlerduo Nemez und Sneijder und genauso fesselnd geschrieben. Ebenso begeistert war ich von “Todesmärchen” dem dritten Fall des ungewöhnlichen Duos. Ich freue mich, dass die als Trilogie angelegte Reihe mit “Todesreigen” fortgesetzt wird.

„Küstenbrut“ von Anja Behn

Der Kunsthistoriker Richard Gruben erholt sich gerade von seinem Hörsturz, als ihn ein Anruf von seinem Freund Bernd Mulsow erreicht. Bernd ist Polizist in dem Kurort Niederdiek an der Ostsee und bittet Richard, ihm bei der Aufklärung des Mordes an der Galeristin Dana Wolff zu helfen. Bei der Toten wurde Richards Visitenkarte gefunden, der sich trotz persönlicher Widmung, an die Galeristin nicht erinnern kann. Er fährt nach Niederdiek und geht auf Spurensuche. Was verschweigt Lena, die sechzehnjährige Tochter der Toten?

Der sympathische Kunsthistoriker Richard Gruben, hat mich mit seiner ruhigen und besonnen Art überzeugt. Die Spur führt Richard in die Vergangenheit Danas und er stößt auf ein Geflecht aus Habgier, Schuld und Sühne. Warum ist Dana aus Berlin nach Niederdiek umgezogen, wo ihre Wurzeln lagen.

Der Kurort Niederdiek in der Hauptsaison mit den vielen Touristen wird wunderbar beschrieben.  Die schönen Landschaftsbeschreibungen machen Lust auf einen Trip an die Ostsee, unterbrechen aber nicht die Spannung. Der Krimi ist temporeich und fesselnd geschrieben. Nicht die Polizeiarbeit steht im Mittelpunkt, sondern die Menschen und ihre Schicksale. Die Charaktere sind lebendig und mit Ecken und Kanten. Die Suche nach dem Täter bleibt spannend bis zum Schluss.

“Küstenbrut” ist bereits der zweite Band der Reihe mit dem Kunsthistoriker Richard Gruben. Ich hatte keine Schwierigkeiten, ohne Vorkenntnisse dem Krimi zu folgen. Der erste Band steht bereits auf meiner Wunschliste.

„Sweetbitter“ von Stephanie Danler

Die zweiundzwanzigjährige Tess kommt aus der Provinz nach New York und bewirbt sich als Kellnerin in einem der beliebtesten Restaurants von New York City. Sie wird als Hilfskellnerin eingestellt und muss beweisen, dass sie das Zeug zur Kellnerin in einem edlen Restaurant hat.
„Wir schaffen etwas, dass du in dich aufnimmst, und ich meine nicht das Essen, sondern das Erlebnis.“ ist das Credo des Inhabers.

Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich auf den Roman über Wein, Genuss und gutes Essen neugierig. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.
Die meisten Kapitel befassen sich leider mit Beschreibungen von Sauftouren nach Schichtende, mit Party und übermäßigen Drogenkonsum. Immer mehr gewann ich den Eindruck, dass ohne „Leckereien“ also Drogen, das Personal eine Schicht nicht überstehen kann. Interessant sind nur die Passagen, in denen Tess von Simone eingearbeitet wird und sie lehrt, dem Essen und dem Wein Aufmerksamkeit zu schenken und alle Sinne einzusetzen. Sehen, hören, schmecken, berühren.

Mehr Handlung sucht man in dem Buch vergeblich. Auch das komplizierte Verhältnis zu einem Kollegen, schafft keine richtige Spannung. Ich finde die meisten Kapitel schlichtweg langweilig. Die meisten Charaktere sind oberflächlich gezeichnet. Tess und Simone und ihr Verhältnis zueinander bieten mehr Potenzial. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und ich konnte mich bis zum Schluss nicht mit ihm anfreunden.

Hätte ich „Sweetbitter“ nicht als Rezensionsexemplar erhalten, ich hätte spätestens nach der Hälfte, das Buch weggelegt. Warum der Roman als Bestseller angepriesen wird, kann ich nicht nachvollziehen.

„Die Tigerin“ von Silke Nowak

Der rumänische Zuhälter Bela Titus wird ermordet aufgefunden. Für die Polizei kommt als Täterin nur die “Tigerin” in Frage. Für die junge Kommissarin Anna Gaspari ist es der erste große Einsatz. Da erhält sie eine merkwürdige Einladung zu einem Treffen in einem Hotel in den Karpaten, wo sie ihren Dokumentarfilm über Zwangsprostitution zeigen soll. Anna, die aus Rumänien kommt, hat dort zuerst Journalismus studiert und diesen Film gedreht. Sie sagt erst zu, als Richard Parker, ihr Chef und Ex Freund, zusagt sie zu begleiten. Bald wird den beiden klar, dass jemand auf blutrünstige Rache sinnt.

“Die Tigerin” ist mehr ein Psychothriller, als ein Krimi. Acht Personen treffen in einem Hotel, von der Welt abgeschnitten, aufeinander und auf ihre Vergangenheit. Es ist eine illustre Gesellschaft bestehend aus einer Nervenärztin, einem Richter, einem Botschafter und seiner Frau, Anna und Richard Parker. Die Gastgeberin und ein Hoteldiener machen die Runde komplett. Als der erste Tote entdeckt wird, verdächtigt jeder jeden, der Mörder zu sein. Das Geschehen wechselt rasant und damit auch die Sympathien für die Teilnehmer dieser Runde. Überraschende Geständnisse säen geschickt Zweifel und wirklich jeder könnte der Täter sein. Nichts ist, wie es scheint.

Anna schildert die Ereignisse in der Ich-Form, sodass der Leser hautnah die Geschehnisse miterlebt und sein eigenes Kopfkino ablaufen lässt. Das Buch fesselt von der ersten Seite bis zum überraschenden Schluss.

„Nachts sind alle Schafe schwarz“ von Heike Abidi

Den Freundinnen Becky, Caro und Greta fehlt zur Erfüllung ihrer Wunschträume das nötige Kleingeld. Nach dem Genuss etlicher “Hugos” wird die Idee der “animalistischen Balance” sofort in die Tat umgesetzt. Sie geben eine Anzeige auf, in der sie versprechen die unausgeglichenen Seelentiere wieder in Balance zu bekommen. Nie und nimmer haben sie daran gedacht, dass sich jemand auf ihre Anzeige melden wird. Doch am nächsten Tag steht das Telefon nicht mehr still. Sie entwerfen ein Konzept für ihre pseudoesoterische Idee und machen ein Geschäftsmodell daraus.

Heike Abidi nimmt in diesem Roman humorvoll den esoterischen Hokuspokus aufs Korn. Die drei Frauen machen sich durchaus Gedanken darüber, was moralisch vertretbar ist. Der Roman hat auch ernste Untertöne. Was hält eine gute Freundschaft aus? Die sehr unterschiedlichen Frauen Mitte bis Ende dreißig, entwickeln durch den Erfolg und das Engagement in ihrem neuen Geschäft, neues Selbstbewusstsein und neue Talente.

Die Charaktere sind gut getroffen und authentisch. Die beruflich unzufriedene, alleinerziehende Becky, die extravagante Malerin Greta, die sich mit Hundeporträts über Wasser hält und die mit einem erfolgreichen Arzt verheiratete Caro, die sich sehnlichst Kinder wünscht. Und dann ist noch “Mamilein” Liz da, die Mutter von Greta, in der ebenfalls ungeahnte Talente schlummern. Werden sie es schaffen, ihren Wünschen und Träumen näherzukommen?

„Osterfeuer“ von Ella Danz

Die erfolgreiche Kochbuchautorin Trude lebt seit ihrer Heirat in einem kleinen Städtchen an der Ostsee. Zu Ostern hat sie ihre alten Freundinnen Betty und Iris aus Berlin, die sie seit einem Jahr nicht gesehen hat, eingeladen. Die beiden bringen noch Margot aus ihrer alten Clique als Überraschungsgast mit. Trude hat Margot seit zehn Jahren nicht mehr gesehen und wollte nie wieder mit ihr zu tun haben. Am Morgen nach dem Osterfeuerfest liegt Margot tot im Mühlenteich.

“Osterfeuer” ist ein unterhaltsamer Kriminalroman, in dem die Freundschaft der vier Frauen im Mittelpunkt steht. Im Laufe der Ermittlungen ändert sich das Verhältnis der Freundinnen zueinander. Neid, Missgunst und Misstrauen werden sichtbar. Nach und nach kommt der wahre Charakter der Freundinnen ans Licht.

Der Lübecker Hauptkommissar Georg Angermüller teilt Trudes Leidenschaft fürs Kochen und die englische Landhausküche. Der Rechtsmediziner Steffan und Angermüllers Freund ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Hobbykoch. So wird die Küche zum wichtigen Schauplatz und beim Schnippeln von Gemüse, Anrühren von Teig und Soßen, über den Täter und sein Motiv diskutiert. Einige Rezepte sind im Anhang aufgeführt und regen zum Nachkochen an.

“Osterfeuer” ist das erste Buch der Reihe mit Georg Angermüller.

 

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Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

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