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Der Zorn der Einsiedlerin – Fred Vargas

Cover Der Zorn der Einsiedlerin

Die Kriminalromane von Fred Vargas mit dem eigenwilligen Kommissar Adamsberg habe ich früher verschlungen und wartete ungeduldig auf jede neue Fortsetzung. Warum ich die weiteren Fortsetzungen aus den Augen verloren habe, weiß ich nicht mehr. Mit dem „Der Zorn der Einsiedlerin“ bekam ich wieder Lust, die restlichen drei Bände der Reihe zu lesen.

Handlung

Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg wird aus seinem Urlaub in Island zurück nach Paris beordert, um einen schwierigen Mordfall zu lösen, den er dann quasi im Vorbeigehen aufklärt. Zufällig stößt er auf einen Bericht über drei alte Männer, die nach einem Biss der Einsiedlerspinne in Südfrankreich gestorben sind. Adamsberg ist von der Einsiedlerspinne fasziniert und möchte alles über sie erfahren. Bei seinen Recherchen stößt er auf ein Waisenhaus in der Nähe von Nimes, in dem es in der Vergangenheit einige Vorfälle mit Einsiedlerspinnen gegeben hat. Eine Jugendbande, die sich die Einsiedlerspinnenbande nannte, terrorisierte dort andere Waisenkinder.

Um was geht es in diesem Kriminalroman?

Kann man an einem Spinnenbiss sterben? Wie viele Einsiedlerspinnen sind nötig, um einen Menschen zu töten? Diese Fragen beschäftigen Kommissar Adamsberg am meisten. Die Einsiedlerspinne lässt ihn einfach nicht los. Er stellt Vermutungen an, wie man mit dem Gift der Einsiedlerspinne jemanden ermorden könnte.

Die katastrophalen Zustände im Waisenhaus der vierziger Jahre lassen ihn an eine späte Racheaktion denken. Je mehr Adamsberg über die Einsiedlerbande erfährt, desto mehr treten verschiedene Mordmotive ans Tageslicht. Welche Spur führt tatsächlich zu den ermordeten alten Männern?

Während sich Adamsberg mit der Einsiedlerspinne beschäftigt, kommt es zu Differenzen in seiner Brigade. Nach Ansicht einiger seiner Mitarbeiter sind die alten Männer nicht ermordet worden und somit sind keine Ermittlungen notwendig. Die Lage eskaliert und es kommt zu einem Konflikt zwischen Danglard, dem Stellvertreter und Freund Adamsbergs, und zu einer Spaltung der Brigade in zwei Lager. Darauf hin ermittelt Adamsberg heimlich und zieht nur einige seiner Mitarbeiter ins Vertrauen.

Jean-Baptiste Adamsberg

Der wortkarge und eigenwillige Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg besitzt eine feine Spürnase und vertraut seiner außerordentlichen Intuition. Er ist ein Fantast und Träumer, „sieht im Nebel“ und ist ein guter Beobachter mit Scharfsinn und Humor. Der Kommissar und Leiter der Brigade in Paris legt keinen Wert auf sein Äußeres, macht oft einen abwesenden Eindruck und ist „mit dem Kopf in den Wolken“. 

Adamsberg ist in den Pyrenäen aufgewachsen und erst mit Mitte vierzig nach Paris gekommen. Lieutenant Louis Vayrenc, gehört zu den Wenigen, die die Denkweise des Kommissars verstehen, und ist mit ihm seit seiner Kindheit befreundet. 

Die Beschäftigung mit der Einsiedlerspinne führt Adamsberg zurück zu einem unerfreulichen Kindheitserlebnis.

Wie hat mir „Der Zorn der Einsiedlerin“ gefallen?

“Der Zorn der Einsiedlerin” ist mehr, als ein zu lösender Mordfall. Es ist kein üblicher “Who-do-it”- Krimi. Neben der eigentlichen Ermittlung werden die Zusammenarbeit in der Brigade, Abhandlungen über Spinnen und die Denkweise der Kommissare beschrieben. Die Handlung ist geschickt konstruiert, nicht immer realistisch, mit falschen Spuren, einigen Tatverdächtigen und verschiedenen Mordmotiven.

Fred Vargas schreibt in einem eigenwilligen, manchmal poetischen Schreibstil, der mit gut gefällt. Sie verwendet viele literarische Zitate und Vergleiche, die sie meist dem Commandant Adrien Danglard, dem „wandenlden Lexikon“, in den Mund schiebt.

Die Charaktere sind bis in die Nebenfiguren perfekt gezeichnet, mit viel Liebe zum Detail. Fred Vargas versteht es, die Menschen mit ihren Eigenarten und menschlichen Schwächen darzustellen.

Mich hat „Der Zorn der Einsiedlerin“ schon nach wenigen Seiten in seinen Bann gezogen. Mit 512 Seiten ist der Kriminalroman kein Leichtgewicht. Trotz der anhaltenden Spannung hat das Buch einige Längen (über die ich großzügig hinwegsehe).

Fred Vargas lässt uns an Adamsbergs Gedankengängen teilhaben. Diese Einblicke sind deshalb interessant, weil sie uns seine eigenwillige Denkweise aufzeigen, wiederholen sich aber für meinen Geschmack zu oft.

Menschen mit Spinnenphobie werden keine Freude an diesem Buch haben. Abhandlungen über Spinnenbisse und die Haltung und Vermehrung von Spinnen ziehen sich durch viele Kapitel. Adamsberg denkt wiederholt über die Frage nach, wie viele Spinnen nötig sind, um einen Menschen zu töten.

Für mich ist Jean-Baptiste Adamsberg kein Unbekannter. Den ersten Kriminalroman habe ich 1991 “Es geht ein Zug von der Gare Nord” gelesen. Nach dem achten Band dieser Reihe “Der verbotene Ort”, habe ich Fred Vargas aus den Augen verloren.  Mit dem 12. Band “Der Zorn der Einsiedlerin” bin ich wieder auf sie aufmerksam geworden. Nach einigen Kapiteln war ich wieder mit Adamsberg und seiner Brigade vertraut und vom Geschehen gefesselt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Erstleser mit Adamsberg und seiner Brigade, durch die vielen ähnlichen Namen und den Eigenheiten der Mitarbeiter, schwertun.

Fazit

„Der Zorn der Einsiedlerin“ ist ein Krimi für alle, die eigenwillige Figuren lieben und sich nicht vor Spinnen fürchten. Adamsbergs unkonventionelle Ermittlungsmethoden sind auch nicht jedermanns Sache. Wer sich jedoch auf diesen literarischen, vielschichtigen Kriminalroman einlässt, dem werden fesselnde Lesestunden beschert.

Autor

Krimifreunde wissen längst, dass Fred Vargas das Pseudonym für Frédérique Audoin-Rouzeau ist. Die Autorin wurde 1957 geboren, studierte nach dem Schulabschluss Geschichte des Mittelalters und nahm an zahlreichen Ausgrabungen teil. Sie lebt mit ihrem Sohn in Paris und arbeitet noch immer in Forschung und Lehre als Archäologin an einem bedeutenden französischen Forschungsinstitut. Zum Krimischreiben nutzt Vargas hauptsächlich die Ferien; mit zwei Millionen verkaufter Bücher ist sie extrem erfolgreich und international anerkannt. Sie erhielt u. a. den „Deutschen Krimipreis“ für „Der vierzehnte Stein“, wurde für „Fliehe weit und schnell“ mit dem französischen Buchhändlerpreis („Prix des libraires“) und dem Preis der Leserinnen von ELLE ausgezeichnet. Sie selbst sagt über ihre Bücher: „Krimis sind das beste Antidepressivum.“ (Amazon)

Informationen zum Buch

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Titel: Der Tod der Einsiedlerin
Autor: Fred Vargas
Genre: Kriminalroman
Print-Ausgabe: 512 Seiten
Ausgaben: E-Book, Hörbuch, gebundene Ausgabe
Verlag: Limes Verlag (29. Oktober 2018)
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Quand sort la recluse
ISBN-10: 380902693X
ISBN-13: 978-3809026938

Anmerkung: „Der Zorn der Einsiedlerin“ wurde mir im Rahmen einerLeserunde auf LovelyBooks zur Verfügung gestellt.

Kategorie: Krimi, Rezensionen

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Profilbild Kristina

Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

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