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„Goldenes Gift“ von Tom Hillenbrand

Aktualisiert am 29. November 2021

Bereits das schöne Cover und der Titel “Goldenes Gift” verraten das Thema dieses kulinarischen Krimis: Bienen und Honig stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen des Kochs und Hobbydetektivs Xavier Kieffer. Zum siebten Mal macht Tom Hillenbrand auf Missstände in der Lebensmittelbranche aufmerksam.

Handlung

Der Stadtimker Pol Schneider ist bei der Inspektion seiner Bienen auf dem Dach eines Hochhauses im EU-Viertel ums Leben gekommen. Commissaire Joana Lobato bittet Xavier Kieffer zum Tatort, da er den Imker gekannt hat. Schneider kümmerte sich auch um Xaviers Bienenstöcke und lieferte ihm seinen eigenen Honig fürs Restaurant. Als ein paar Tage später Xaviers Bienenstöcke verschwinden, erwacht der Hobby-Detektiv wieder in ihm und er fängt an, Nachforschungen anzustellen.

Währenddessen weilt die Gastrokritikerin und Xaviers Freundin Valérie Gabin in Central Valley in Kalifornien. Auf dem Rückweg von einer Abendveranstaltung verpasst sie eine Abzweigung und landet in einer Mandelplantage. Dabei macht sie eine seltsame Beobachtung. Zwischen den Mandelbäumen, die in voller Blüte stehen, entdeckt sie Bienenstöcke, die auf einen Truck aufgeladen und zu einer Scheune transportiert werden. Am nächsten Tag schaut sich Valérie in der verlassenen Scheune um. Sie entdeckt Fässer mit Honig und Kanister mit Reissirup. Sie findet auf einem Etikett den Namen Golden Nectar GmbH aus Deutschland. Sie nimmt von beidem Proben und kann unbemerkt verschwinden.

Herzlich willkommen im Restaurant „Deux Eglises“!

Der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer ist ein Koch aus Leidenschaft. Statt Karriere zu machen, eröffnete er in seiner Heimatstadt Luxemburg ein Restaurant für luxemburgische Spezialitäten. In seinem Restaurant serviert Xavier ausschließlich deftige traditionelle Gerichte wie das beliebte Judd mat Gaardebounen, Kanéngche mit Moschterzoos oder Lënsebulli und zum Nachtisch eine Mummentaart. Bei seinen Gästen, vorwiegend EU-Beamten, sind seine Spezialitäten sehr begehrt. 

Einer seiner Stammgäste ist der Finne Pekka Vatanen, der in der EU-Forschungsabteilung für Agrarangelegenheiten arbeitet. Inzwischen zählt Pekka zu Xaviers engsten Freunden und kommt jeden Tag pünktlich nach Feierabend, um seinem liebsten Hobby zu frönen, dem Trinken von Rivaner und dem Philosophieren mit Xavier über Gott und die Welt.

Ein gelegentlicher Gast ist Commissaire Joana Lobato, die mal dienstlich, mal privat ins “Deux Eglises” kommt. Ihre Lederjacke und die Begeisterung für Motorräder unterstreicht ihre burschikose Art. Sie reagiert schnippisch bis pampig, wenn ihr etwas nicht passt. Mit dem dickköpfigen Xavier hat sie sich schon einige Wortgefechte geliefert.

Ein eher seltener Gast ist Xaviers Freundin Valérie Gabin. Die Gastrokritikerin hat vor Kurzem ihren Verlag “Guide Gabin” verkaufen müssen. Jetzt arbeitet sie für den neuen Besitzer mit Sitz in Kalifornien und jettet weiterhin um die Welt, um gehobene Restaurants zu testen. Ihre Beobachtungen in Kalifornien bestätigen sie in ihrer Idee, investigative Journalistin zu werden. Sie folgt der Spur nach Deutschland und will herausfinden, was eine deutsche Firma mit dem kalifornischen Honig zu tun hat.

„Das ist Kidnapping.“ „Sehen Sie es als Gesprächsangebot. Ich muss die Interessen meiner Auftraggeber wahren.“

„Goldenes Gift“, Seite 438

Goldenes Gift – das tödliche Geschäft mit Honig

Das lukrative Geschäft mit den Wanderbienen gibt es in den USA tatsächlich. Da die riesigen Obstplantagen außerhalb der Blütezeit den Bienen keine Nahrung bieten, wandern die Bienenstöcke von Ort zu Ort. Das Hauptziel der Wanderbienen ist die Mandel- und Apfelblüte im Central Valley, Kalifornien. Anschließend reisen die Bienen durch ganz USA, um in Florida zu überwintern.

Echter Honig ist ein reines Naturprodukt und wird ohne jegliche Zusatzstoffe nur von Bienen hergestellt. Die Bienen können den Bedarf an Honig nicht decken und deshalb ist der Honig das mit am meisten gefälschte Lebensmittel weltweit. Im günstigsten Fall wird der Honig nur mit einer Zuckerlösung gestreckt. Industriehonig wird mit verschiedenen Stoffen behandelt und so können Pestizide und sogar Antibiotika im Honig nachgewiesen werden. Fake-Honig hat nie eine Biene gesehen, er enthält nur Zucker und Aromastoffe. In Deutschland ist das Strecken von Honig verboten. Wichtige Hinweise, aber keine Garantie liefert das Etikett. Honig aus Nicht-EU-Ländern kommt meistens aus Osteuropa, China und USA, wo es keine strengen Vorschriften für Lebensmittel gibt. Die Fälschungsindustrie kennt viele Tricks, um Vorschriften zu umgehen und verdient viel Geld damit.

„Einer, der derart skrupellos war?“ „Sagen wir lieber: serviceorientiert.“

„Goldenes Gift“, Seite 440

Wie hat mir der kulinarische Krimi „Goldenes Gift“ gefallen?

Die Panscherei von Honig und die damit verbundenen Machenschaften großer Konzerne stehen schon länger im Fokus und so war ich nicht überrascht, als sich Tom Hillenbrand dieses Themas angenommen hat. Durch den Krimi habe ich einen Einblick in die Fälschungsindustrie mit Honig bekommen und werde zukünftig beim Einkaufen genauer hinsehen.

Diesmal ist nicht nur Xavier Kieffer ermittlungstechnisch unterwegs, auch seine Freundin Valérie betätigt sich als Hobby-Detektivin und bringt durch ihre Art mehr Action in die Ermittlungen. Allerdings kommt sie mir hektisch und unüberlegt vor und viele Szenen waren unglaubwürdig. Die “neue” Valérie ist mir auch nicht viel sympathischer als die in den vorhergehenden Bänden.

Humorvoll und unterhaltsam sind die Dialoge zwischen Xavier und Pekka und lockern das Thema noch zusätzlich auf. Beide gehören zu meinen Lieblingsfiguren und Kommissarin Lobato könnte es noch werden, wenn sie weniger stutenbissig unterwegs wäre. Die Charaktere sind lebendig, insgesamt gut gewählt und skizziert.

Für einige Szenen ist es hilfreich, sich die Karte und Bilder von Luxemburg anzuschauen. Die Stadt hat eine besondere Lage und gliedert sich in Oberstadt und Unterstadt. Die Stadt Luxemburg ist durch eine französische Lebensart geprägt, die man überall spürt. Die meisten Bewohner sprechen Französisch. Luxemburgisch gilt als Alltagssprache und als Tourist kann man sich auch in Deutsch und Englisch verständigen. Da man auf Anhieb nicht erraten kann, welche Gerichte sich hinter den luxemburgischen Spezialitäten verbergen, ist ein Glossar mit Küchenlatein am Ende des Buchs hilfreich.

Fazit

Mir hat der kulinarische Krimi “Goldenes Gift” sehr gut gefallen. Ich mag die Mischung aus guter Unterhaltung und Information. Tom Hillenbrand macht auf Missstände in der Lebensmittelbranche aufmerksam, ohne oberlehrerhaft zu werden. Der Krimi ist humorvoll geschrieben und spannend bis zum Schluss. Das Kulinarische kommt auch nicht zu kurz.


Das Buch wurde mir freundlicherweise vom KiWi Verlag für die Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst.


Über Tom Hillenbrand

Tom Hillenbrand, geboren 1972, studierte Europapolitik und war Ressortleiter bei Spiegel Online. Der Hobbykoch und Foodie verliebte sich während eines Luxemburger EU-Praktikums in das Großherzogtum. Seine Krimis um den Luxemburger Koch Xavier Kieffer („Teufelsfrucht“, „Rotes Gold“, „Letzte Ernte“) standen monatelang auf Platz eins der dortigen Bestsellerliste. Er lebt in München. Mehr Infos unter: tomhillenbrand.de  (amazon)

Informationen zum Buch:

Cover Info Goldenes Gift

Titel: Goldenes Gift
Autor: Tom Hillenbrand
Genre: Kriminalroman
Print-Ausgabe: 480 Seiten
Ausgaben: E-Book, Taschenbuch, Hörbuch
Verlag KiWi-Taschenbuch; 1. Edition (4. November 2021)
Sprache: Deutsch
ISBN-103462054643
ISBN-13: 978-3462054644

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