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Die Lüge – Mattias Edvardsson

Aktualisiert am

Auf den schwedischen Bestseller „Die Lüge“ bin ich durch die Leserunde auf LovelyBooks aufmerksam geworden. Ich hatte Glück und gewann ein Buchexemplar. Bereits nach ein paar Seiten hat mich der Roman gefesselt, der sich trotz der 544 Seiten, hat schnell lesen lassen.

Die Handlung

Kurz nach ihrem 19. Geburtstag wird Stella Sandel unter Mordverdacht verhaftet. Sie soll den Geschäftsmann Christoph Ohlsen erstochen haben. Stellas Eltern sind entsetzt. Woher soll Stella den wesentlich älteren Mann kennen? Die Sandels sind eine ganz normale Familie. Durch die Mordanklage gerät ihre heile Welt aus den Fugen. Ist Stella wirklich eine Mörderin?

Um was geht es in dem Roman „Die Lüge“? 

Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Wie weit gehen Eltern, um ihr Kind zu schützen?

Auf den ersten Blick sind die Sandels eine normale Familie mit interessanten, gut bezahlten Jobs, großem Freundeskreis, sportlich und kulturell aktiv. Vater Adam ist Pfarrer, Mutter Ulrika ist Anwältin und Tochter Stella hat gerade ihr Abitur gemacht. Von heute auf morgen, gerät ihre heile Welt aus den Fugen. Nach und nach zerstören die tiefen Einblicke in das Familienleben, das Bild der perfekten Familie.

Ist ihre Tochter wirklich eine Mörderin? Wie gehen die Familienmitglieder damit um? Wie konnte es soweit kommen? Wie gut kennt man einen anderen Menschen? Drei Menschen, drei Wahrheiten. Es geht nicht um die eine Lüge. Wie oft verschweigt man die Wahrheit oder belügt den anderen, um ihn aus Liebe zu schützen?

„Jeder Mensch ist zu einem Mord fähig. Wenn ein Mensch ausreichend tief verletzt wird, gibt es keine Grenzen, die er nicht übertreten könnte.“

„Die Lüge“ Seite 340

Adam liebt seine Tochter Stella über alles. Der Vater will nicht wahrhaben, dass seine Tochter erwachsen wird, und nicht mehr sein kleines Mädchen ist. Er glaubt, seine Tochter zu kennen, zweifelt aber nach und nach, ob seine Tochter wirklich unschuldig ist. Adam möchte seine Tochter schützen und die Familie um jeden Preis zusammenhalten. Das Bild nach außen darf nicht zerstört werden: “Gewisse Dinge sind privat” und “Das bleibt in der Familie” (Seite 319).

„Es braucht viel Zeit, um sich ein Leben aufzubauen, aber nur einen Moment, um es in Trümmer zu legen. „

„Die Lüge“ Seite 16

Stella ist ein Papakind und hat sich zu einem rebellischen Teenager entwickelt. Ein verwöhntes Einzelkind, das schnell wütend wird, wenn es nicht nach seinem Kopf geht. Im Gegensatz zu Stellas bester Freundin Amina, weiß sie nicht, was sie werden möchte. Ihr einziges Ziel ist eine Asienreise, für die sie spart und jobben geht.

Ulrika ist eine ehrgeizige Anwältin. Auf die Mordvorwürfe der Tochter reagiert sie besonnen, fast zu distanziert. Sie regelt, was geregelt werden muss. Dieser letzte Abschnitt ergänzt die Geschehnisse aus ihrer Sicht und schildert die Gerichtsverhandlung.

Was ist in der Mordnacht wirklich passiert? Ist Stella schuldig oder nicht? Diese Frage wird erst ganz zum Schluss des Romans beantwortet.

Wie hat mir der Roman „Die Lüge“ gefallen?

Die Geschichte der Familie Sandel wird aus drei Perspektiven erzählt. Zuerst kommt der Vater zu Wort, dann Stella und ganz zum Schluss die Mutter Ulrika. Durch die drei verschiedenen Blickwinkel ist der Roman sehr spannend aufgebaut und beleuchtet die Personen und Handlungen aus der Sicht der anderen. Manche Dinge erscheinen plötzlich in einem anderen Licht. Die Abschnitte enthalten jeweils Rückblenden auf wichtige Ereignisse, wobei der zeitliche Ablauf weitergeht. Die Abschnitte des Vaters und der Tochter finde ich am spannendsten, der Charakter des jeweils anderen wird ergänzt. Das Bild, des zunächst sympathischen Adam, bekommt erste Risse, die Tochter wird sympathischer. Das besondere Verhältnis Vater Tochter wird in beiden Abschnitten deutlich und wird durch die Darstellung aus der Sicht der Mutter noch verstärkt. Ulrikas Schilderung ergänzt den Verlauf der Ereignisse und birgt so einige Überraschungen.

“Die Lüge” ist kein Thriller, sondern ein Roman, bei dem die Frage, wie die unterschiedlichen Charaktere auf die Geschehnisse reagieren, im Vordergrund steht. Es sind vielschichtige Charaktere, die immer wieder überraschen. Alle drei Figuren sind authentisch und nicht unbedingt Sympathieträger. Um die Geschichte spannend zu gestalten, müssen sie das auch nicht sein. Es ist spannend zu beobachten, wie gleiche Ereignisse ganz unterschiedlich wahrgenommen werden.

Der Roman ist in einem flüssigen, bildhaften Schreibstil gehalten und verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten. Dem Autor ist ein geschickter Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gelungen. Die drei Abschnitte sind jeweils in einem passenden Schreibstil zur Figur, in Ich-Form, geschrieben.

Fazit

“Die Lüge” ist ein lesenswerter Spannungsroman, mit psychologischen Betrachtungen und Charakterstudien, der die heile Welt einer Familie Schritt für Schritt einreißt. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, wer der Täter ist.

Buchgestaltung

Die broschierte Ausgabe ist aufwendig gestaltet. Die hintere Coverinnenseite enthält Pressestimmen. (Auf dem Bild schlecht zu lesen). Ohne Bilder: Die vordere Klappe enthält einen etwas längeren Klappentext, als den auf der Coverrückseite. Die hintere Klappe informiert über den Autor und zeigt dessen Foto.


Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Limes Verlag für die Rezension zur Verfügung gestellt. Das Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks gelesen.

Autor

Mattias Edvardsson lebt mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Töchtern außerhalb von Lund in Skåne, Schweden. Wenn er keine Bücher schreibt, arbeitet er als Gymnasiallehrer und unterrichtet Schwedisch und Psychologie.

Informationen zum Buch:

Titel: Die Lüge
Autor: Mattias Edvardsson
Genre: Roman
Print-Ausgabe: 544 Seiten
Ausgaben: E-Book, Hörbuch, Broschiert, Audio-CD
Verlag:  Limes Verlag; Deutsche Erstausgabe (25. März 2019)
Sprache: Deutsch
Originaltitel: EN HELT VANLIG FAMILJ
ISBN-10: 3809027057
ISBN-13: 978-3809027058

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Kategorie: Rezensionen, Roman

von

Profilbild Kristina

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