Krimi, Rezensionen
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Die Sichel des Todes – Maria Rhein und Dieter Beckmann

Cover Die Sichel des Todes

Münster 1877. Kriminalkommissar Heinrich Maler wird von der preußischen Geheimpolizei beauftragt den amerikanischen Millionär John Rodman zu beschützen, weil er seit einiger Zeit Drohbriefe erhält. Rodman will nicht nur in Preußen investieren, sondern ist auf der Suche nach einem brisanten Dokument über das verschollen geglaubte Urevangelium.

Maler ist von seinem Job als Kindermädchen nicht begeistert und geht das locker an. Kurz nach dem Maler und sein Gehilfe Jolmes in Rodmans Haus Quartier bezogen haben, wird das Dienstmädchen Gerda ermordet. Ein paar Tage später wir Rodman in seinem Arbeitszimmer erhängt aufgefunden.

Zu gleicher Zeit trifft der Jesuit Vincenzo Luga in Münster ein, um ebenfalls das Urevangelium zu suchen, das von den Wiedertäufern in Münster versteckt worden sein soll. Er will unbedingt das Dokument in seinen Besitz bringen und bedient sich dabei eines Auftragsmörders, genannt „Die Sichel“.

„Die Sichel des Todes“ ist ein Kriminalroman mit historischem Hintergrund. Der Prolog berichtet über das Ende der Wiedertäufer in Münster anno 1835. Der Versuch in Münster das „Neue Jerusalem“ zu erschaffen ist gescheitert. Die Täufer glaubten, dass die Heilige Schrift unvollständig ist und das ein Urevangelium existiert. Das würde die Macht der Kirche, in der jetzigen Form, zerstören.

Der Kriminalroman ist von Anfang an spannend, wartet mit überraschenden Wendungen auf und überrascht zum Schluss. Ein Krimi zum Miträtseln, wer „Die Sichel“ ist. Das Herz eines Krimifans schlägt höher, wenn er die Machtspielchen und Intrigen der preußischen Geheimpolizei und der kirchlichen Mächte verfolgt, die sich im familiären Umfeld von John Rodman fortsetzen.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und authentisch, zeigen ihre Stärken und Schwächen. Kriminalkommissar Heinrich Maler ist eine sympathische Figur mit menschlichen Schwächen. Er ist jähzornig und impulsiv und geht gerne ins Wirtshaus, wo er mehr trinkt, als ihm gut tut. Maler, der früher bei der preußischen Geheimpolizei in Berlin war, fühlt sich wohl in Münster. Einziger Wermutstropfen ist sein inkompetenter Vorgesetzter, mit dem er prompt Probleme bekommt. Maler tut sich schwer sich den Launen anderer unterzuordnen und verabscheut belangloses Plaudern, weil es ihn vom Nachdenken abhält.

Jolmes Winterbach, sein Assistent, ist ein junger Mann mit ungestümen Temperament, der ursprünglich Malers Kutscher war.

John Rodman, ein Millionär aus Chicago, kehrt in seine Heimat zurück. Er sucht nach Informationen über die Wiedertäufer in Münster. Er besitzt bereits ein altes Dokument aus dieser Zeit, das auf weitere brisante Schriftstücke hinweist. Er hat sogar versucht, sich Zugang zum Vatikanischen Archiv zu beschaffen.

Bei den Rodmans geht es recht turbulent zu. Sohn Ben ist homosexuell, Tochter Jenny ist vorlaut und aufsässig und seine zweite Frau Mary hat eine Affäre mit dem Anwalt ihres Mannes. Beide Kinder können ihre Stiefmutter nicht ausstehen, was auf Gegenseitigkeit beruht.

Eine liebenswerte Figur ist Professor Landois, der sich bestens mit der Geschichte der Wiedertäufer auskennt und Maler als Berater zur Seite steht. Er liebt es lange Vorträge zu halten, und den ungeduldigen Maler damit auf die Palme zu bringen. Professor Landois basiert auf einer historischen Figur, er entwickelte tatsächlich die heute noch gebräuchliche Affenklappe.

„Die Sichel des Todes“ ist nicht nur ein fesselnder Kriminalroman mit mehreren Toten, sondern auch eine Geschichtsstunde über Münster, in einem lockeren, gut lesbaren Schreibstil geschrieben. Ich habe Neues und Erstaunliches über die Geschichte der Wiedertäufer in Münster erfahren.

Es ist bereits der zweite Fall für Kriminalkommissar Heinrich Maler und seinen Assistenten Jolmes. Ich kenne die Vorgängergeschichte nicht, was kein Problem darstellt. Die für die Handlung wichtigen Fakten werden erklärt. So können die Bücher unabhängig voneinander gelesen werden.

Fazit

„Die Sichel des Todes“ ist ein historischer Kriminalroman, der sich mit der kirchlichen und weltlichen Gier nach Macht auseinandersetzt. Kurzweilig und spannend zu lesen. Ganz nebenbei erhält der Leser eine anschauliche Geschichtsstunde über die Wiedertäufer in Münster.

Cover

Die abgebildeten Schriftstücke auf dem Cover passen sehr gut zum Inhalt des historischen Kriminalromans.

Autoren

Maria Rhein, geboren 1965 in Emsdetten, schloss nach ihrem Abitur eine Lehre als Mediengestalterin ab und studierte dann in Dortmund und Münster Grafik-Design. Sie arbeitete in diversen Werbeagenturen, Verlagshäusern und in selbstständiger Tätigkeit. Seit der Geburt ihrer Kinder ist sie als Musik- und Kunstdozentin freiberuflich tätig. Sie unterrichtet als Kunstlehrerin an weiterbildenden Schulen und schreibt seit Jahren Kurzgeschichten und Kriminalromane.
Dieter Beckmann, geboren 1966 in Arnsberg, studierte und wohnte lange Zeit in Münster, bis es ihn schließlich zurück nach Arnsberg führte. Der Schriftsteller und Musiker veröffentlichte mehrere Alben und historische Romane, außerdem betätigt er sich als Kabarettist und ist Texter und Sänger des Kabarett-Trios Twersbraken.

Informationen zum Buch

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Titel: Die Sichel des Todes
Autor: Maria Rhein und Dieter Beckmann
Genre: Historischer Kriminalroman
Print-Ausgabe: 312 Seiten
Ausgaben: Taschenbuch, E-Book
Verlag: Gmeiner-Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839219116
ISBN-13: 978-3839219119

Kategorie: Krimi, Rezensionen

von

Profilbild Kristina

Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

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