Rezensionen, Roman
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Der Edelsteingarten – Susanne Ayoub

Cover Der Edelsteingarten

Laura erwartet ein trostloser Weihnachtsabend 1955 in Wien. Überraschend bringt ihr Vater zwei Gäste mit, Younis und seinen Bruder, die auf einer Europareise sind. Laura verliebt sich in Younis und verbringt jede freie Minute mit ihm. Ein paar Wochen später folgt sie der Liebe ihres Lebens nach Bagdad.

Sie heiraten und bald kommt Tochter Jenny zur Welt. Die Idylle bekommt durch die politischen Ereignisse einen Riss. Ihr liebevoller Ehemann zeigt in seiner Heimat plötzlich zwei verschiedene Gesichter.

Kann ihre Liebe die Hindernisse überwinden?

In „Der Edelsteingarten“ erzählt Susanne Ayoub, aus der Perspektive von Laura, über eine ungewöhnliche Liebe zweier sehr unterschiedlicher Menschen. Als Vorlage diente die Liebesgeschichte ihrer Eltern.

Nach einem dramatischen Prolog geht es zurück ins beschauliche Wien, wo die Liebe zwischen Laura und Younis ihren Anfang nimmt. Es folgen bildhafte Beschreibungen von Lauras Begegnungen mit der fremden Kultur und Mentalität, dem Alltag und Leben in einer orientalischen Stadt der 50er und 60er Jahre. Anfangs fesselnd geschrieben wird der Roman immer mehr zur oberflächlichen Erzählung einer Beziehungsgeschichte. Es werden wiederholt Begebenheiten angefangen und nicht zu Ende ausgeführt. Es bleiben Fragen offen. Dramatische Begebenheiten werden mir zu nüchtern erzählt.

Meine Erwartungen an den Roman haben sich nicht erfüllt. Die dramatischen politischen Ereignisse und das Aufeinanderprallen zweier so unterschiedlicher Kulturen bieten viel Stoff für einen packenden Roman. Leider ist die Umsetzung nicht ganz gelungen. Schade, hier wurde viel Potenzial verschenkt.

Die beiden Charaktere Laura und Younis bleiben oberflächlich und entwickeln sich nicht weiter. Dafür gibt es einige interessante Nebenfiguren.

Laura wurde mir mit jedem Kapitel immer unsympathischer. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle nicht nachvollziehen. Ihre Vorstellungen und Wünsche werden nicht preisgegeben. Sie wirkt auf mich, wie eine unzufriedene, frustrierte und gelangweilte Hausfrau. Sie entwickelt sich nicht weiter, was Angesicht der Ereignisse erstaunlich ist. Sie ist nicht zu Kompromissen bereit und bringt kein Verständnis für ihren Mann auf, und klammert sich stattdessen an ihre Tochter Jenny. Die Figur der Laura ist für mich unglaubwürdig.

Laura hat sich Hals über Kopf in Younis verliebt und folgt ihm, ohne zu wissen, auf was sie sich einlässt. Mit der Heirat wurde sie Muslima, mit allen Rechten und Pflichten und erhielt einen neuen Namen.

„Damals war ihr zum ersten Mal zu Bewusstsein gekommen, dass sie ihre Freiheit aufgegeben hatte. Ab nun traf Younis die Entscheidungen.“ (Seite 55)

Trotz allem war Younis für sie der richtige Mann, auf den sie so lange gewartet hat.

Laura liebte Bagdad und war am Ort ihrer Träume gelandet. Doch sie weiß kaum etwas über ihre neue Wahlheimat und statt in einem Märchen aus 1001 Nacht, findet sie sich in einem Land kultureller Widersprüche und politischen Unruhen wieder. Wenn Younis über Politik redete, hörte sie nicht zu und wollte nichts davon wissen. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen, die viel besser über die politischen Wirren informiert waren, hat sie von den unruhigen Zeiten nicht viel mitbekommen.

Younis ist gerade mit seinem Jurastudium fertig, als er Laura kennenlernt. Er ist modern und weltoffen eingestellt, im Gegensatz zu seiner Familie. Die Entwicklung der Ereignisse zeigt, dass er trotzdem in seiner Kultur und Tradition gefangen ist. Es wird nicht ganz deutlich, womit er seinen Lebensunterhalt verdient, es heißt nur „er geht ins Office“ und kann sich freinehmen, wann immer es ihm passt. Younis interessiert sich sehr für die Politik, hasst die Engländer und ist vermutlich selber politisch aktiv. Auf welcher Seite er steht, wird erst am Schluss des Romans klar.

Überhaupt bleibt Younis eine Figur voller Geheimnisse. Ich konnte zwischen ihm und Laura keine Gemeinsamkeiten feststellen. Ich hatte immer das Gefühl, sie kämpfen gegeneinander statt miteinander.

Fazit

„Der Edelsteingarten“ ist eine dramatische Liebesgeschichte in einer turbulenten Zeit. Der Roman ist zunächst fesselnd geschrieben, der dann zunehmend zu einer oberflächlichen Beziehungsgeschichte wird. Das Potenzial, das das spannende Einandertreffen der zwei unterschiedlichen Kulturen und die politischen Turbulenzen bietet, wird nicht ausgeschöpft.

Der Roman liest sich unterhaltsam und bietet Einblicke in das Leben von Ausländern in einer orientalischen Stadt.

Cover

Das Cover wäre mir in einer Buchhandlung sofort aufgefallen und ich hätte den Klappentext gelesen. Ich mag diese warmen orientalischen Farben. Das fehlende Gesicht macht das Cover geheimnisvoll.

Autor

Susanne Ayoub, geboren 1956 in Bagdad, lebt heute in Wien. Sie arbeitet als Autorin und Regisseurin für Radio und Film. Sie schreibt Drehbücher, Hörspiele und Romane, u.a. die Kriminalromane Engelsgift, Schattenbraut und Mandragora. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Auf den Spuren ihrer Vergangenheit hat Susanne Ayoub eine Filmdokumentation über Bagdad gedreht. (Amazon)

Informationen zum Buch

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Titel: Der Edelsteingarten
Autor: Susanne Ayoub
Genre: Roman
Print-Ausgabe: 400 Seiten
Ausgaben: E-Book, gebundene Ausgabe
Verlag: Langen-Müller; (4. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 378443391X
ISBN-13: 978-3784433912

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Kategorie: Rezensionen, Roman

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Profilbild Kristina

Kristina kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher faszinieren sie, seit dem sie denken kann. Sie möchte mit dir ihre Freude am Lesen teilen. Gefallen dir ihre Beiträge? Dann verpasse keine neuen Artikel und abonniere sie per E-Mail.

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